Im Sarkophag 1

Für Suchende in stillen Stunden

Inspirierte phantastische umfangreiche Verserzählung entstanden etwa um 2005, in vier Teilen.
Inhalt: Das geistige Erwachen des Menschen

1. Kapitel Verseinerung
2. Kapitel Hoher Besuch

Versteinerung

Ich lag in meinem Sarkophag
in meiner Pyramide,
seitlich, die Beine angewinkelt
und war so furchtbar müde.
Die Arme hatte ich gekreuzt,
mein Kopf war leicht erhöht.
So ruhte ich im schönsten Schlummer,
so tief es eben geht.

Am allerliebsten wollt´ ich mich
auf ewig so verstecken,
da fing was an, ganz unverschämt,
an mir herumzuzecken.
„Lasst mich in Ruhe!“, brummte ich.
„Ich kann doch nichts dafür,
dass ewig ich so müde bin
in meinem Traumrevier.“

Ja, dieses hier war mein Revier,
doch das muss ich erklären.
In einem Sarkophag zu ruhen,
würd´ manchen sonst verstören.
Kurzum, die Pyramide war
mein eignes geistiges Konstrukt,
Sie war mein Ei, war meine Welt,
sie war mein Phantasieprodukt.
Sie schützte, wärmte, nährte mich
und alles drinnen war nur ich.

Doch alles schien mir außerhalb
von meiner eigenen Welt zu sein.
Unzählige Begebenheiten,
zahllose Orte, Räume, Zeiten –
auch Schrecken, Plagen, Fröhlichkeiten
stürmten beständig auf mich ein.

Wie viele Jahre würd´ ich schon
in solch´ Behausung wohnen?
Ich will nicht protzen, aber sicher
waren das schon Millionen.
Denn alles, was in meiner Welt
geschehen und gespeichert war,
war innerlich mir sehr bekannt:
Ich sah die Bilder deutlich klar.
Das hat mich anfangs irritiert,
ich konnte es nicht fassen,
dass die Geschehnisse der Welt
ganz in mein Inneres passen.

So schob ich alles weg von mir,
als wäre alles ´Außenwelt´
und ich wär nur als kleiner Gaffer
in meine Riesenwelt gestellt.
Solche Behausung mir zu schaffen,
hatt´ mir ein Engel einst geraten.
Als Standpunkt, Stützpunkt, als Zuhause,
als Hülse aller meiner Taten.
Als feste Hülle meiner selbst,
um nicht im Wind davon zu wehen,
wollt ich doch voller Tatendrang
meine ganz eigenen Wege gehen.
Doch war ich dabei nicht allein,
Miriaden von Geschwisterlein
sind diesen gleichen Weg gegangen –
und so hat alles angefangen.

Der Sarkophag, in dem ich lag,
wer einst aus flüssigem Kristall.
Ein Lager, eines Engels würdig
und dieser war ich dazumal.
Es braucht ein Engel zwar kein Bett,
doch musste ich bald bös erfahren,
dass meine Kräfte auf der Reise
bald absolut verloren waren.

So sank ich, tödlich fast geschwächt,
in dunkle kalte Regionen
und musste statt in Licht und Glanz –
sehr bald in Stein und Kälte wohnen.
Ich wollte fern vom Vaterhaus
durch eigene Kräfte existieren.
Jetzt musste ich die ganze Härte
des Abgesondertseins erspüren.
Da war nichts, was mich hielt und führte.
Kaum, dass ich manchmal Freude spürte.
All meine neuentdeckte Welt
schien nur dem Zufall unterstellt
und ohne kleinsten Zugewinn
ank stetig ich ins Erdreich hin. 

Und so verkümmerte mein Geist
bis ich mich selber nicht mehr kannte.
Zu Fremden wurden meine Freunde,
zum Feind ward mir der Anverwandte.
Jetzt war das letzte Band zerbrochen,
ich war am Ende, wie es schien –
und wie mein Geist darnieder sank,
trieb auch die Welt zum Tode hin. ‚
Erschreckend, was ich da vernahm,
wie bitter mir mein Dasein kam,
das einst vergnügt ich ´Leben´ nannte,
als grauen Schleier nun erkannte.

Ich wusste nicht mehr, wer ich war.
Konnt´ weder vorwärts noch zurück.
Mein Scharfsinn war mir ganz verloren,
betrübt ein jeder Zukunftsblick.
Was sollte Großes denn passieren?
Nichts als der Tod wird immer sein.
Was habe ich denn zu verlieren
in jenem öden Ringelreihn
von Schmerz und Arbeit, Mangel, Not,
dem Kampf um´s bisschen täglich Brot.
Sorgen gibt’s  reichlich immerdar,
allein die Freuden, die sind rar.
Ich war mir selber fremd geworden,
der Draht zum Himmel war zerbrochen.

Ich wusste nicht mehr, wer ich war.
War ich ein Scheusal, ein Genie?
War ein Gespenst ich immerdar?
Nur ein Stück Fleisch wie´s liebe Vieh?
Geschickt auf Intellekt dressiert,
damit Mensch nicht den Stolz verliert?
War ich ein Engel? Teufel gar?
Versklavt mit Seele, Haut und Haar?
War ich von Feinden nicht umgeben?
Von Hindernissen stets umstellt?
Woher kam aber meine Sehnsucht
nach freier wunderbarer Welt?
Woher kam dieser innere Drang,
nun abzuwerfen jeden Zwang,
von jedem Druck mich zu befreien,
um wieder ganz Ich-selbst zu sein?

Wer bin ich denn, um so zu fühlen,
ganz gegen meine Tiernatur.
Woher bezieh ich solch´ Gedanken
auf meiner dunklen Erdenspur?
Wer gibt mir die Visionen ein,
direkt im Paradies zu sein?

Wer bin ich, dass ich fliegen kann?
Wie taste ich die Sterne ab?
Und warum wein´ ich manchmal Tränen,
wenn ich doch was zu lachen hab?
Warum ist es mir so gemütlich
in meinem kalten Sarkophag?
Warum verspeis´ ich Kraut und Tiere,
wo ich doch lieber Nektar mag?

Woher kommt eigentlich das Licht
in meiner Steinespyramide?
Und woher fließen oft Visionen
in meinen Sinnen, hart und trübe?
Warum verkrampft sich mir das Herz,
wenn einem Kind ein Leid geschieht?
Was soll denn dieses Mitgefühl
in meinem finsteren Gemüt?

Ich weiß ja nicht mal, wer ich bin,
hab es noch nie herausgekriegt,
was eigentlich für´n Exemplar
in dieser Totenkammer liegt.
Warum bin ich so isoliert?
Was ist das für ein Rauschen?
Bricht meine Welt von innen auf,
um sich bald auszutauschen?

Ich lieg hier wirklich lang genug,
so viele tausend Jahre –
begrub ich mich in Finsternis,
doch ist das nun das Wahre?
Es wär mal wirklich an der Zeit,
was anderes zu machen –
doch ach, da gibt es ein Problem:
Ich müsste erst erwachen.

Nun ist da wer – schon längere Zeit
und sucht mich wachzukrabbeln,
doch weil´s hier so behaglich ist,
mög er noch etwas zappeln.
Ich stell mich noch ein wenig tot,
mir graut noch vor dem Morgenrot.
Auch ist es mir ein wenig bange,
was nimmt mich künftig in die Zange?
Ich wusst´ ja nie, was Freiheit ist,
so habe ich sie nie vermisst.
Ich presse meine Augen zu 
und gönn´ mir noch ein wenig Ruh.
Alleine meinen Stimmen 
kann ich nur schwer entrinnen. 
Jedoch sie werden lauter
und ständig mir vertrauter.
In jeder Stimme hör ich mich
und denke mir: Das bin ja ich.

Ich denke mir, wie kann das sein?
Bin ich denn meine Außenwelt?
Als wäre mir ein jeder Stein
grad wie ein Leben hingestellt.
Als Signum meines eigenen Ich´s.
Gibt es in meiner Welt nur mich?
Mit wem hab ich mich dann gestritten
und über jedes Maß gelitten?
Wem hab manch Leid ich zugefügt,
wenn alles in mir selber liegt?

Das muss ich wirklich erst verdauen.
Reicht´s, sich von innen zu beschauen?
So nutze ich die kurze Zeit
und lausch´ in aller Heimlichkeit,
was meine Ichs sich so erzählen,
mit welch Problemen sie sich quälen,
denn eines ist mir ganz gewiss,
dass nicht sehr viel in Ordnung ist
in meinem ewigen Lebenswandel,
egal, worum sich´s dabei handelt.

Hätte ich gar keine Sinne,
wär da gar nichts

in mir drinne?

Denn da ist eine andere Stimme,
sie kommt direkt aus meinem Herzen,
meist ist sie liebevoll und sanft,
nie aufgelegt zu dummen Scherzen.
Mal ernst, mal heiter, immer klar,
so voller Weisheit, fest und wahr. 
Sie ist´s, die stets mich überzeugt,
den Besserwisser in mir beugt.

Die stets mich wieder fasziniert
und mich im Innersten berührt.
Sie zeigt mir manchen Irrweg auf,
zeigt manchen krummen Lebenslauf,
und immer wieder mahnt sie mich:
Vergiss nie wieder: Du bist Ich.

Und ich bin du. Und ich bin alles.
So bist du alles und bist ich.
Begreif es und verinnerlich´s.
Woher sollt auch das Ganze kommen, 
was ich im Herzen nur vernommen?
Das geht mir schwer zum Kopf hinein.
Unmöglich kann ich alles sein:
Bin jeder Kampf und jeder Krieg.
Bin jede Freude, jeder Sieg.
Bin jede Kirche, jedes Heer,
bin jedes Land, bin jedes Meer.
Bin jeder Mensch, bin jeder Stern,
bin hier und dort, bin nah und fern.
Bin alle Zeit, bin aller Raum,
bin ein unendlich tiefer Traum.

Die Stimmen meiner Signaturen,
sie prasseln lautstark auf mich nieder.
Doch diese leise Herzensstimme,
die glättet und beruhigt sie wieder.
Es kommt doch alles nur aus dir,
sucht mir die Stimme zu belegen:


„Was könnt´ in deiner Pyramide
sich außer dir wohl noch bewegen?
Hörst du nur einzigen Laut,
von außerhalb der festen Mauern?
Wirst du geplagt von Schreckgespenstern,
die dich in deinem Schlaf belauern?“

„Natürlich, ständig geht’s es rund
in meinem kleinen Sarkophag,
und alle Steine spielen mir mit,
dass ich es kaum verkraften mag.
Du glaubst gar nicht, wie sich das fühlt!“


„Das wird dir alles eingespielt.
Du lebst in einer Illusion,
die ganze Welt zum Feind zu haben.
In Wahrheit bist du nicht in Stein,
sondern in einem Ei begraben.
Dein Weltenei kannst du das nennen,
für dich persönlich hergestellt.
So reflektierst du alle Welten
und bist doch deine eigene Welt.


Kein einziger war je dein Feind,
und niemand wird es jemals sein.
Allein dein aufgewühlter Geist
spielt dir die ganzen Schrecken ein.
Er wandert ganz verwirrt umher
und schafft der Übel mehr und mehr.
Denn was dein Geist dir installiert,
das wird auch wirklich durchgeführt.

Dies Leben ist nur Probezeit,
nie wär tatsächlich zu riskieren,
einen noch ungereiften Geist
zur hohen Schöpferkraft zu führen.“


„Darum bin ich in Stein begraben,
die hohen Kräfte schwer zu dämpfen?
Das heißt, ich muss gar nicht im Außen,
doch immer nur im Innern kämpfen?“

„Nein, du musst überhaupt nicht kämpfen!
Du musst nur alles fließen lassen.
Durch Hingabe und Liebe nur
kann dich dein hohes Ich umfassen.
Alles was nicht dem Höchsten dient,
erscheint dir als ein böser Feind,
doch wenn du deine Seele läuterst,
wirst mit dem Höchsten du vereint.“

„Wenn alles doch so einfach wär!
Wo kommen dann die Schrecken her,
die seit Äonen mich begleiten?
Warum kann ich es nie verstehen,
wie Menschen sich und Länder streiten?
Woher kommt dieser Krieg in mir
und diese Furcht und Finsternis?
Warum ist mir mein Körper stets
mein allergrößtes Hindernis,
mich frei und fröhlich zu bewegen,
statt mich in einen Sarg zu legen?

Mir fehlts doch nicht an gutem Willen.
Wie gern möcht´ ich vollkommen sein!
Doch meine schlechten Eigenschaften
holen mich immer wieder ein.
Ich kann sie noch so sehr verdrücken,  
kann sie vertreiben und verteufeln.
Am Ende sind sie wieder da.
Das lässt mich gradewegs verzweifeln.

Dann fühl ich mich so richtig mies,
so grottenschlecht und oberfies.
Wie könnt´ ich mich je selber lieben?
Geschweige denn die ganze Welt?
Fast mein ich, dass mein Weltenei
´ne ziemlich faule Frucht enthält.“

„So lass dies scheinbar faule Ei
noch etwas in der Wärme liegen.
In einem sehr entspannten Herzen
wird alles sich von selber fügen.
Sähe in einem Hühnerei
 des Dotters Welt genau so aus,
so käme um keinen Preis der Welt
ein kuschlig-gelbes Küken raus.
Das Geniale der Natur
verlangt vom Mensch eines nur:
Sich demütig der Schöpfung fügen
und sich nicht ständig selbst belügen.


Stets ordnest du dich selber ein,
willst immer schön und edel sein
willst ganz perfekt sein – ohne Launen,
so soll dich deine Welt bestaunen.
Du schaffst dir damit einen Druck,
dem bist du selber nie gewachsen.
Sich selber stets hervorzuheben,
sind noch des Egos Kinderfaxen.

So, wie du dich als gut betrachtest,
betrachtest du die Welt als schlecht.
Wo doch ein jedes Lebewesen
nach seiner Art nur leben möcht´.
Dies ist im Tierreich fester Brauch
und grad so ist´s beim Menschen auch.
So lass dein Urteil künftig stecken.
Manch Übles dienet höheren Zwecken.
Wie sagte ich euch doch auf Erden?
Wer richtet, wird gerichtet werden.

Schau alles, was dir nicht gefällt,
mit einem rechten Abstand an.
Rein alles dienet deiner Welt,
so dass man´s akzeptieren kann.
Bedenke, alles spiegelt dir
die eigenen Befindlichkeiten.
Umarmest alles du mit Liebe,
wird Liebe dich auch stets begleiten.
Doch stößt du alles nur zurück,
verdirbst du selber dir dein Glück.“

„Das ist nur schwer zu akzeptieren,
mit Abstand alles anzuschauen!
Wie soll denn der Gepeinigte
dem Peiniger sich anvertrauen?
Wie soll ich Kriege akzeptieren,
Unrecht und roheste Gewalt?
kann ich das Schreien überhören,
das grässlich mir im Ohre schallt?

Das sind doch alles hohle Sprüche
mit jener Liebesresonanz.
Wohl lacht mein Spiegel mir zurück,  
doch in der Praxis klappt´s nicht ganz.
Da kann ich lächeln, wie ich will,
es hält das Böse niemals still.
obald ich meinen Blick hin richt´,
schon ist es da und ärgert mich.“

„Weil du bewertest, lieber Freund,
wo gar nichts zu bewerten wäre.
Das Gute wie das Böse sind  
die beiden Teile einer Schere.
Schraubst du die Teile auseinander
und wirfst den ´bösen´ Teil du weg,
dann bleiben nur zwei Stähle übrig
und keiner hätte einen Zweck.
Also sieh stets das ganze Bild:
Dass alles seinen Zweck erfüllt.

Wenn dir im Ei die Fetzen fliegen,
dies nur deiner Entwicklung nützt.
Dein Seelenkern bleibt unantastbar,
und ist auf ewig gut geschützt.
Noch kennst du nur die kleine Welt
in deiner kleinen Pyramide.
Unendlich groß, doch überschaubar,
wirst trotzdem du der Steine müde.
Du möchtest endlich wieder fliegen, ‚
wie früher, als du Engel warst
und lauschest deiner Herzensstimme,
was sie dir Großes offenbart.

Oh ja, du ahnest große Dinge,
doch was Genaues weißt du nicht.
Auch findst du in der Pyramide
meistens verzweifelt wenig Licht.
Da schimmert noch so wenig durch
aus den verflossenen Lebenszeiten
und nicht die kühnste Phantasie
kann in die Zukunft dich begleiten.
Doch du bist selbst dein Regisseur
von diesem Film, der vor dir liegt.


Längst hast du schon dein Handwerkszeug,
doch weißt nicht, wie sich alles fügt.
So schufst du stets dir Diskrepanzen,
die ständig dir zum Nachteil waren,
im Finstern deinen Sarkophags 
hast du die Wahrheit nie erfahren.
Und weil du so alleine warst,
von deinem Schöpfer isoliert,
so hast du bald zu deinem Schutz
und auch für die Bequemlichkeit – 
allerhand Ämter installiert.
Bald dientest du den eigenen Ämtern
mit tiefster Unterwürfigkeit
und weil die immer stärker wurden,
kam´s immer wieder mal zum Streit.

Jetzt bist du stark degeneriert,
weil´s deine Ämter so beschlossen,
hast alle Kraft an sie gegeben,
vertraust den Ämtern unverdrossen.
In einem schwachen Augenblick
war´s leider dann dazu gekommen,
die selbstgeschaffnen Ämter haben
noch dein Gehirn mit übernommen.
Du konntest nicht mehr selber denken, 
doch hat´s dich wenig interessiert.
Du lebtest nicht mehr selbstbestimmt,
du lebtest nur noch ´vegetiert.´


Und so ist es bis heut geblieben.
Wo war nun deine frühere Pracht?
Doch hast du dir´s zu deinem Troste
im Sarkophag bequem gemacht.
Du wolltest niemals mehr erwachen
aus deinem selbstgewählten Schlaf
und für den Rückgewinn der Kräfte,
da zeigtest niemals du Bedarf.
Der Mensch wird langsam totgeschunden,
doch hat sich damit abgefunden.
Wie ist die Sache doch verrückt:
Ein Engel der im Sarg erstickt!“

Hoher Besuch

Wie liebend gern würd´ ich erwachen.
Doch schein ich tot. Was soll ich machen?
Die Außenstimmen werden laut:
„Dumm, wer der inneren Stimme traut!
Dein Sarg, der ist nun mal aus Stein,
wie sollte es auch anders sein?
Dass einmal alles besser war,
das ist doch gar nicht vorstellbar.
Auf ewig bist du eingegraben
und wirst nie deine Freiheit haben.“

Nur wenn die laute Stimme schweigt,
sich mir ein kleiner Lichtblick zeigt.
Denn so war das nicht vorgesehen,
die Sache sollte anders gehen.
Mein lieber Onkel Michael
tat Dienst in dieser Außenstelle
und riet mit großer Dringlichkeit, 
uns fernzuhalten von der Hölle.

„Ruht euch nach jedem Tageslauf
in eurer Pyramide aus.  
Schafft sie euch selbst – 
ganz nach Belieben,
nicht klein und auch nicht übertrieben.
Ein Platz als sichere Ruhestätte,
wo eure Welt dann Platz drin hätte.
Vor allem, schafft im Kernbereich
ein sicheres Lager euch sogleich.
Ein Bett aus himmlischem Kristall
regeneriert euch allemal.
Und kommt ihr abends müd nach Haus,
entspannt euch dort und ruht euch aus.
Dann kann euch gar nicht viel geschehen,
froh wird für euch die Zeit vergehen.
Und solltet ihr nach oben schauen,
so dürft ihr euren Augen trauen,
wenn strahlend hell und unentwegt,
ein goldener Strahl herniederschwebt.
Das ist die Liebe, die dort wohnt 
und ewig über allem thront.
Sucht Liebe nur mit jedem Schritt,
die wäscht euch rein und hält euch fit.“

So mancher hat dies wohl beherzigt 
und seine Prüfung gut bestanden.
Doch in solch Engelchen wie mir
war wohl zu wenig Ernst vorhanden.
Denn ach, die Neugier war so groß
und die Versuchung grenzenlos.

Was gab´s nicht alles zu bestaunen
in dieser fremden dichten Welt!
So manches Spiel hab ich ersonnen,
so manchen Kampf hab ich gewonnen!
Was hab ich alles angestellt!
So hab im Eifer des Gefechts
ich oft die Liebe weggelassen.
Ohne der Liebe Handicap 
war´s leichter, richtig Fuß zu fassen.
So hab ich lang nicht mitgekriegt,
wie mein Kristall sich eingetrübt´.

Es dauerte noch eine Zeit,
dann ließen meine Kräfte nach.
Schwer wurde ich und störanfällig 
und meine Kräfte lagen brach.
Als Engel war ich durchgestartet,
voll Übermut, was mich erwartet
auf meiner Reise durch die Zeit,
doch das war längst Vergangenheit.

Nun war ich fast als Tier gelandet,
in einer kalten Welt gestrandet
mit manchem riesigen Verdruss:
Den Tieren wurde reich gegeben,
was Mensch sich erst erschaffen muss.
Ich wurde stumpf und primitiv,
all meine Pläne gingen schief.
Und eines Tages, welche Pein,
war mein kristallenes Bett – ein Stein.
Das war mein allerschlimmster Tag:
Mein Lager ward zum Sarkophag.

Und wieder war´s der Michael,
der drehte seine Runde
und wieder gab er mir ´nen Rat
aus höchst berufenem Munde.
Ich sollt´ nun endlich wieder  mein
Kristallbett reparieren.
Es brächen neue Zeiten an, 
das würde ich bald spüren.
Bei solcherlei Gelegenheit
wird´s langsam für die Letzten Zeit,
den Hintern aus dem Sarg zu heben
und sich ins Leben zu begeben.

Zurück ins Leben? Das klingt gut,
doch wie soll ich das packen?
Die Augen sind mir zugeklebt 
und steif ist mir der Nacken.
Anstatt ´nes starken Flügelpaares
hab´ ich jetzt Schulterblätter.
Ich würd schon gern, doch kann es nicht.
Ich brauchte einen Retter!

Da ruft der Micha: „Hopp, hopp, hopp!
Das könnte dir so passen!
Erst viele tausend Jahre schlafen
nd sich dann hätscheln lassen?
Nun gut, ich schenk dir ein paar Tage,
dann stehst du auf, ganz ohne Frage.
Bist du dann immer noch verdrossen,
dann wirst du auf dem Mond geschossen!“

Oh, kann der Micha wütend werden,
der Micha mit dem scharfen Schwert!
Der meint es ernst, der große Engel,
ich bin ja regelrecht verstört.
Schon piekt er mir mit seinem Schwert
die dichte Filzbrille hinweg,
die trag ich schon seit tausend Jahren
in meinem kühlen Steinversteck.
Dann putzt er noch ein bisschen ´rum
in meinen beiden Augen, 
die von der Welt total verklebt,
zur Geistessicht nicht taugen.

Schon piekst er mir mit seinem Schwert
hinein ins rechte Ohr,
da purzelt rechts und links sogleich
mein Oropax hervor.
Mein Oropax, das ich mir gönnte, 
damit ich tiefer schlafen könnte.
Dann nimmt er mir den Maulkorb ab,
den ich so lang getragen hab,
denn so ein Maulkorb ist nicht ohne,
weil man da seine Stimme schone.
Zum Schluss piekst er mir in den Mund,
putzt mir den Schleim aus meinem Schlund,
damit ich wieder atmen kann.

„Nun reicht mir´s aber, guter Mann!“

„Das reicht für heute, kleiner Fratz!
Und denke an dein Bett! 
Wie schön, wenn man zum Kräftetanken
sein Basislager hätt´!“

„Ach, Michael, wie soll ich´s machen?
Ich hab doch keine Ahnung!
Bei meinen schwachen Kräften reicht´s
noch nicht mal für die Planung.
Wie soll denn dieser Sarkophag 
sich in Kristall verwandeln?“


„Erinnere dich deiner Kräfte! 
Such wie ein Gott zu handeln!
Du hast doch auch die schlimmen Dinge 
ganz locker hingekriegt.
Nun tue nicht so, als wüsstest du
nicht, wie sich alles fügt.
Wie hast du früher deinen Schwachsinn
denn eigentlich gemacht?“

„Ich hab mir alle meine Pläne
in Ruhe ausgedacht.
Ich habe mir alles ausgemalt
mit wonnigem Behagen,
und irgendwie, ich weiß nicht wie,
hat sich´s dann zugetragen.
Am Anfang ging das wunderbar,
fast wie aus einem Guss.
Dann dauerte es plötzlich länger,
dann war auf einmal Schluss.
Dann klappte überhaupt nichts mehr
mit himmlischer Magie,
dann – irgendwann bin ich versteinert,
ich wusste nicht mal wie.
Unmerklich waren meine Kräfte
mir sonst wohin entglitten.“

„Das war ein trauriger Prozess:
Du hast dich abgeschnitten.
Du hast dich einfach abgetrennt 
vom himmlischen Komfort,
nun war die Rückkehr dir versperrrt.
Geschlossen war das Tor.“

„Nun stand ich da mit den Geschwistern,
mit denen ich einst gekommen.
Mit vielen, vielen von uns hat´s
ein böses End´ genommen.
Die Kräfte waren reduziert,
wir konnten mühsam überleben.“

„Und habt gerad noch eure Seelen
in eures Vaters Hand begeben.
So blieben euch die Seelen nur
verbunden durch die Silberschnur,
durch jenes unsichtbaren Band,
das eure Wissenschaft nie fand.
Dies Band hat euch ganz unsichtbar
an eure Heimat angebunden,
sonst hätt´ kein einziger Mensch auf Erden
m Dunkeln sich zurückgefunden.
Wenn man die Seelenkraft verliert,
so ist man ziemlich ruiniert,
doch war des Himmels Schutz dabei,
so blieben eure Seelen frei.

Wenn Kinder eigene Wege gehen
und Unbekanntes sich erkunden,
so bleiben sie durch ihre Liebe
mit ihren Eltern doch verbunden.
Und werfen Kinder selbstvergessen
die ganze Liebe über Bord,
die Mutter trägt sie stets im Herzen,
vom Vater sind sie niemals fort.

Nun wart ihr schwache Hutzelchen,
im tiefsten Geistesschlummer,
ihr kanntet nicht mehr eure Eltern
und waret voller Kummer.
Und alles andere weißt du schon,
denn deine Welt ist voll davon.“

„Sag Michael – ob ich´s schaffen kann,
mein Bett zu reparieren?
So will ich sehr geschickt und rasch
den Stein kristallisieren.“

Solang du schläfst, vermagst du´s nicht.
Doch wache endlich auf
und richte stets in voller Hoffnung
den Blick zu Himmel rauf.
Du weißt doch, wer dort oben wohnt:
die unendliche Liebe.
Begreifst du nicht, wie euer Scheintod
ihr Mutterherz betrübe?
Öffne dein Herz, so weit es geht,
dann musst du nicht lang bitten.
Sobald du aufwachst, wird sie dich
mit Liebe überschütten.“

„Du gibt’s mir Hoffnung, Michael.
Ich kann´s noch gar nicht fassen.
Darf ich nach Tausenden von Jahren
den Sarkophag verlassen?“

Und nicht nur das, mein kleiner Freund,
dir winkt noch viel, viel mehr!
Die lange Zeit im Sarkophag 
wirkt evolutionär.
Du wirst ein völlig neuer Mensch
mit besten Qualitäten!
Ihr habt so vieles ausgestanden
in euren großen Nöten.
Die Reise in ein fremdes Land 
wird stets vom Himmel anerkannt!
Wie breitet sich die Schöpfung aus?
Ein Kind verlässt sein Elternhaus.
Geschieht ihm auch manch Missgeschick,
gereift und stark kommt es zurück.
Oh, das ist eine Freude
nach all dem schlimmen Leide!


Und nun hopp, hopp, mein kleiner Freund,
gebrauche deine Sinne,
auf das die geistige Geburt
nun endlich mal beginne!
Bis dahin, lieber kleiner Mann,
schau dir ringsum die Steine an.
Die Steine deiner Pyramide,
unendlich feste Mauerwerke.
Ein Manifest mancher Verirrung,
ein Manifest all deiner Stärke.
Die Signatur all deiner Taten,
mal edel und mal schlecht geraten.


Sie werden alle zu dir sprechen
mit Vaters und mit deinen Stimmen.
Sie werden den Verstand dir öffnen
und deinem Herzen Nutzen bringen.
Sie werden die Vernunft dir schulen
und vieles, vieles wird dir klar,
was dir bis zu dem heutigen Tage
noch völlig unbegreiflich war.

Dies alles ist jetzt deine Welt,
und sie erstrahlt in hellstem Licht,
sobald du völlig sie begreifst,
sobald dein Geist die Schale bricht.

Denn du bist alles, was dich nervt,
und du bist alles, was dich freut.
Du bist, was deine Sinne schärft
und du bist alles, was dich reut.
Du bist dein Stolz und Wohlgefallen,
du bist das Häkchen, das sich krümmt,
du bist die Reflektion der Welt,
die aus dir ihre Form annimmt.
Und fragst du, wie der bösen Welt
man ihren Schmutz entziehen kann,
dann spiegele sie in deiner Liebe
und fang sie zu verwandeln an.
Verwandle nicht die Welt an sich,
das wird dir nimmermehr gelingen.
Werd selbst zum Licht, dann wird deine Licht
allmählich deine Welt durchdringen.
Bist du vom Liebeslicht erfüllt,
verändert sich dein Spiegelbild.

Schau an, was dir nicht gut gefällt,
betrachte es mit kühlem Blick.
Such seine Gründe zu verstehen
und dann schick es ins Licht zurück.
Schick´s dorthin, wo es hergekommen,
aus deiner eigenen Magie.
Die Seele wollte dich was lehren,
so dank ihr und verstehe sie.
So werden sich allmählich glätten
die Wogen deiner wilden Welt.


Du kannst dich anders nicht erretten,
so schwer dir scheinbar alles fällt.
Mit Tricks und Betteln klappt das nicht:
Du selbst erhebe dich ins Licht.
Schau alles an, was dich bewegt
und frage nach den Hintergründen:
Warum ist so viel schiefgelaufen?
Dann wirst du auch die Antwort finden.
Denn eines merk dir gut, mein Freund:
Du kannst nichts mehr auf andere schieben.
Du hast die Kräfte selbst erfunden,
die dich durch schlimme Zeiten trieben.

Lass auch nichts aus, was dir an Dunklem
in manch verborgenem Winkel lauert.
Steig in die tiefsten deiner Tiefen,
und lass das Ganze unbedauert.
Schau alles dir als Lehre an.
Du wärest nie so weit gekommen,
hätt´ nicht so mancher schlimme Trieb
den Part des Dämons übernommen.
Dämonen schaffen, musste sein.
Willst du zum höchsten Geist dich schwingen,
so musst du fest und souverän 
zur Tiefe aller Schrecken dringen.
Fehlt dir zuguterletzt der Mut,
dir deine Tiefen anzuschauen,
dann wirst du dich zum Höhenflug
um´s Schwindligwerden auch nicht trauen.

Dein heißersehnter Höhensprung,
aus allem Stein dich zu befreien,
wird dann ein echter Rohrkrepierer,
wird bestenfalls ein Hüpferlein.
Doch, lieber Freund, das muss nicht sein.
Schau deine ´Lebenszeitung´ an,
Problembericht und Tageblatt,
dann siehst du, dass die Welt um dich
noch einige Problemchen hat.
Oft wird dir etwas eingespielt,
da weißt du gar nicht, was das soll.
Aber du regst dich drüber auf,
das wirkt so klug und tut so wohl.
Oft spielt man Krieg und Terror ein,
da müsstest du dich jetzt entrüsten.
Regst über Politik dich auf,
siehst manche Dummköpfe sich brüsten.

Du schaust es an – und re-agierst.
Gibst Kräfte in solch Firlefanz.
Du echauffierst dich regelrecht
und schon beginnt erneut solch Tanz.
Du könntest es auch akzeptieren,
um´s als gegeben hinzunehmen,
und dann von Herzen fokussieren,
dass jetzt die Dinge besser kämen.

Dies wär ein Zeichen deiner Macht,
dies wäre göttliche Magie.
Doch du? Hauchst da, verstopfst die Ohren,
willst mächtig sein – und weißt nicht wie.
Befürchtest noch, dich zu blamieren!
Fang endlich an, selbst zu agieren!
Dort wo du deinen Blick hinwendest,
kannst deine Welt du lichter machen.
Um deine Kräfte aufzuwecken,
musst du ganz einfach nur – erwachen!


Du musst erkennen, wer du bist.
Ganz ohne Scheu und ohne Scham.
Du bist ein wunderbarer Engel,
der in die Finsternis einst kam.
Bist selbst zu Finsternis geworden,
um in dir selbst sie zu bezwingen.
Du bist sie selbst, so liebe sie,
um sie zu Gott zurückzubringen.
Leg diesen schwarzen Diamanten
von unermesslicher Brillanz
nun deinem Schöpfer vor die Füße –
und kehre heim – und werde ganz.
Das ist die ganze Zielvorgabe,
weshalb du hier auf Erden bist,
deshalb ward manches Blut vergossen´,
darum so manche Träne fließt.“

Schwer zu begreifen, was der Engel
von mir jetzt so erwarten möcht´.
Mir geht’s nicht übel – momentan –
und meine Welt ist nicht ganz schlecht.
Ich möcht´ mich irgendwann befreien,
aber muss das gleich heute sein?
Ja, meine Welt ist auszuhalten, 
sogar hier in der Pyramide.
Mein Sarkophag ist komfortabel,
die Atmosphäre nicht ganz übel.

Will sagen: Hab mich dran gewöhnt,
an meine Umstände im Leben.
Warum sollt´ ich das hier verlassen,
warum soll ich nach Höherem streben?
Wird´s außerhalb der Pyramide
denn überhaupt noch Welten geben?
Denn es wär dumm, für null und nix
den Hintern aus dem Sarg zu heben.
Dies wär ein Riesen-Riesenschritt.
Ich bin am Zögern: Geh ich mit?

„Mein lieber Engel Michael,
ich muss erst überlegen.


Ich muss mir erst ´nen Anwalt suchen,
um´s Für und Wider abzuwägen.
Vom Amt für den Verbraucherschutz
muss ich mir auch noch Rat einholen –
oft steht so´n Windhund vor der Tür,
und dann wird man doch bloß bestohlen.
Und dann muss ich den Pfarrer fragen,
was er von dieser Sache hält.
Der kennt sich schließlich bestens aus
mit dieser fernen Zukunftswelt.

Dann muss ich meinen Strom abmelden,
die Zeitung und das Fernsehen auch,
muss meinen Hund ins Tierheim geben,
sonst steht der Ärmste auf dem Schlauch.
Ja, und und und … ich kann dir sagen,
so einfach geht die Sache nicht.
Wenn ich vorher nichts regeln kann,
da ecke überall ich an.
Und das gibt Ärger, musst du wissen!
Ich bin umstellt von Hindernissen.“

So hab ich Micha abgewimmelt,
denn mir war plötzlich etwas bang.
Mein Abstieg war einst lang gewesen,
und nun ist auch mein Bremsweg lang.
So ist das mit den alten Kerlen,
da geht nichts mehr von hier bis gleich.
Könnt ich mich überhaupt gewöhne
an ein ganz neues Lebensreich?

´Es brächen neue Zeiten an?´
Was meint er bloß, der Himmelsmann?
Natürlich bin ich mal zu Stell´,
doch nicht zu schnell. Bloß nicht so schnell.

„Ich danke dir für´s Angebot,
doch habe vorerst keine Zeit.
Komm noch einmal in fünfzig Jahren,
dann bin ich sicherlich soweit.“

Hätte ich doch, ich dummer Kerl,
bloß meinen Mund nicht aufgerissen!
Der liebe Engel platzte fast,
als hätt´ er in ´nen Frosch gebissen!
Jedoch als Engel durfte er
nie seine Contenance verlieren
und durfte darum mit dem Schwert
nicht unnützlich herum furieren.
Ein Engel hat in heiklen Lagen
sich stets wie´n Engel zu betragen.

Jetzt war der Micha wirklich sauer.
Ich glaube, er kann nicht verstehen
wie schwerfällig und unflexibel
sich hierzuland die Räder drehen.
Im Himmel geht das sicher schneller
mit Trallala und Holdrio.
Doch hier bei mir ist alles zäher!
Herrgott! Das ist nun einmal so.

„Na,“ sagt er, „alle deine Ämter,
die haben dich noch voll im Griff.
Ja, hast du denn noch nichts kapiert?
Was bist so schwer du von Begriff!
Von deinen selbstgeschaffnen Ämtern
lässt du dich jetzt noch drangsalieren?
Von deinem Sarge dich beherrschen, 
von deinen Pfaffen dich verführen?
Meinst du denn, einer davon gäbe 
für deine Freiheit grünes Licht?
Das wäre doch ihr eigenes Ende,
na, so dumm sind die wirklich nicht.
Wenn deine Pyramide purzelt,
stirbt deine ganze Illusion.
Und aller Leute Illusionen,
die sterben auch. Wer will das schon?

Es ist schon schwer, dich kleinen Engel
aus deinem Sarkophag zu locken.
Was meinst du erst, wie die Dämonen
und all die Nachtgespenster bocken, 
wenn du sie mit ins Licht beförderst!
Weil deine Welt sie mit sich nimmt!
Da gibt es einen Heidenlärm,
glaub mir, mein Freund, so ist´s bestimmt.
Doch werde ich dich zu nichts zwingen.
Das wäre auch nicht angebracht.
Ein jeder Mensch soll selbst entscheiden,
was er aus seinem Leben macht.

Wie sagtest du? In fünfzig Jahren?
Da ist der Zug längst abgefahren.
Doch nimm das alles nicht so schwer,
ein anderer kommt hinterher.
Wann das dann wär´? Das ist die Frage.
Dir geht’s doch gut im Sarkophage.
Hauptsache ist, mein liebes Kind,
dass alle Leute glücklich sind.“

Und Michael konnt´ es nicht lassen,
mir schnell noch eine zu verpassen:


„So dumm, wie ich dich heut noch seh,
meldst du dich morgen zur Armee!“

Dann ist der Micha abgerauscht,
ohne sich nochmal umzusehen.
Das war mir recht, so konnt ich endlich
mich auf die andere Seite drehen.
Ach, wie so süß und wonnevoll
jetzt eine Nacht im Tiefschlaf wär!
Doch wie ich mich um Schlaf bemühte,
das mit dem Schlafen ging nicht mehr.

weiter mit Teil 2

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