Kommunismus

So zwischen Leistung und Bedürfnis
pendeln die Massen hin und her.
Die Leistungsträger werden ärmer,
die Faulen wollen immer mehr.
So müssen wir uns mal beeilen,
das Volksvermögen neu zu teilen.

Einer für alle – das klingt gut.
Alle für einen – noch viel besser!
Wir machen jetzt den Kommunismus,
und sind uns selber jetzt Erlöser.
Denn dieser alte Herrschaftsstaat,
der passt nicht hinten mehr und vorn.
Der Reiche lebet wie im Speck,
der Arme nähret sich vom Zorn.

Wir baun jetzt einen besseren Staat,
dass jeder recht viel Gutes hat
Auch sorgen wir zu jeder Zeit
für jedermanns Gerechtigkeit 
und Wohlstand auf der ganzen Linie.
Leicht jetzt der Mensch sein Brot verdiene,
so dass ein jeder früh bis spät
hell jubelnd auf die Arbeit geht.

Oh, wie so süß die Früchte reifen!
Und jedermann kann danach greifen,
Für keinen hängen sie zu hoch.
Vorbei ist´s mit dem Sklavenjoch.

Mitschurinskitraube

So weit, so gut. Gesagt, getan.
Wir fangen mit der Planung an.
Die Regeln sind schon wohlbekannt,
vom großen Geist – Karl Marx genannt.
Der ist auf Erden inkarniert,
damit die Welt zum Licht er führt.
Aus dessen schöner Theorie
wächst langsam nun die Utopie,
sich einen neuen Staat zu gründen,
in dem sich wahre Schätze finden.

Die Knochenfron der armen Leute
soll nie mehr die Paläste schmücken,
und keiner in dem ganzen Land
soll sich von einer Arbeit drücken.
Das heißt, es werden alle gleich
und allen, allen geht es gut.
Die Sache ist perfekt durchdacht –
nun rasch ans Werk mit frohem Mut!

Karl Marx erfand, das muss man sagen,
so eine Art von ´Luxuswagen´.
Den komfortablen Lebensplatz
mit Sicherheit für jedermann,
dass jeder sich mit leichter Mühe
durch´s Leben fortbewegen kann.

Das Ding war absolut perfekt!
Hättest können bis nach China reisen,
hättest können hundert Jahr ihn nutzen,
ohne dass Teile sich verschleißen.
Das Teil war wirklich zukunftsfähig,
bis auf den Punkt durchkonstruiert.
Doch steckt der Teufel im Detail
und hat zum frühen Crash geführt.

Zwei kleine Muffen nur, man höre, waren Auslöser der Crash-Misere.

Zuerst war alle Welt euphorisch!
Das wird die Luxuslimousine!
Die Massen jubeln aufgewiegelt:
Jetzt sind wir auf der Siegerschiene!
Fehlt nicht noch eine Endkontrolle,
die alles nochmal überprüft?
„Nicht nötig!“ – jubeln die Erbauer,
„Das ist perfekt! Da geht nichts schief!“

Oldtimer aus der Sowjetunion

Nach einer kurzen Wegesstrecke
nimmt das Verhängnis seinen Lauf,
Kühlwasser sickert aus dem Schlauch,
jedoch da achtet man nicht drauf.
Im Cockpit warnen Instrumente,
weil sich der Motor nun erhitzt,
doch blind ist man vor Fanatismus,
was für ein Auto man besitzt.

Schon löset sich der zweite Schlauch,
dort fehlet ja die Muffe auch.
Nun läuft Benzin aus dem Vergaser,
es dampft schon mächtig aus den Ritzen,
doch immer jubeln noch die Massen:
Was für ein Auto wir besitzen!

Man achtet nicht der Warnsignale,
und ahnet nicht, wohin das führt.
Kurz drauf geht das perfekte Fahrzeug
in Flammen auf und explodiert.

Man hat im Eifer des Gefechts
bei der Montage glatt vergessen,
dass ohne Schlauchbefestigungen
sich allzu rasch die Schläuche lösen.

Zwei kleine Muffen, weiter nichts,
das war noch nicht mal Pfennigkram,
und doch der Grund, dass dies Projekt
ein unrühmliches Ende nahm.

Nun liegt es dort geschwärzt im Graben
und keiner, keiner will es haben.

Vielleicht hätt´ sich ein kluger Bastler
der dummen Sache angenommen
und alle Welt wär ohne Störung
zum Kommunismus noch gekommen.

Doch hatten all die Hitzesköpfe
in ihrem Eifer sich vertan,
die Massen waren jetzt an der Macht
und suhlten sich im Größenwahn.

Wie schon gesagt, dem klugen Werk
fehlte es an der Endkontrolle.
Doch wenn die Massen Hurra schreien,
spielt dann Vernunft noch eine Rolle?

Zumal – nach oberster Verordnung
waren jetzt alle Menschen gleich.
Wobei sich nie zwei Gleiche finden.
Das war der erste Teufelsstreich.

Die Weisheit wie die Ehrlichkeit
hat man als ´gestrig´ abgetan,
der Siegeszug der Ideologen
zog nun die Massen in den Bann.

Lenins Tscheka – – die roheste Form kommunistischen Terrors

Die brauchten keinen Sachverstand,
regierten nur mit harter Hand.
Und wer den Siegern widersprach,
des´ Geist man bald durch Terror brach.

Die hohen Kräfte eines Volkes
wurden vom Zeitgeist nun erschlagen,
Den kreativen Forschungsgeist
hat bald zu Grabe man getragen.

Intelligenz hat man geschwind
tyrannisiert und ausgedünnt.
Im roten Fahnen-Feuermeer
gab´s bald keine Eliten mehr.

Sie hätten jedes Schadensfeuer
durch ihre Weisheit kühlen können.
Doch ist kein Wasser mehr vorhanden,
muss alles lichterloh bald brennen.

Viel übler noch als Wassermangel
war jetzt der frei gewordene Geist,
der ohne Grenzen und Barrieren
die Menschen in die Tiefe reißt.

So kam´s zur zweiten Teufelei,
dem Geist jetzt freien Lauf zu lassen.
Der sanfte Zwang der Religionen
wollte nicht ins Konzept mehr passen.

So hat man sehr bewusst und straff
die Sache ohne Gott gemacht
und ohne jeden Blick nach oben
versank das Volk in tiefster Nacht.

Jetzt war der Mensch so ganz ´entgeistert´,
man diente nur dem reinen Fleisch –
nebst ein paar dummen Gutmensch-Floskeln
war dies der schlimmste Teufelsstreich.

Wenn erst einmal die Elemente
auf heftigste entfesselt sind
wenn ungereifte Scharlatane
ans Steuer kommen, dumm und blind,
wenn man Erfahrungen nicht achtet
und Werte nur zerstöret werden,
wenn Menschen ihren Führern folgen
wie rabiate Hammelherden,
wenn man dem Volk die Macht verspricht
in einem wahrem Größenwahn,
so fängt ein ungereiftes Land
wahrhaft zu explodieren an.

So war das mit dem Kommunismus.
Die schöne Marx´sche Utopie
fiel kleinen Fehlern nur zum Opfer.
Vorbei war´s mit der Euphorie
.

Zum Schaden kam die Schadenfreude,
die Spötter wetzten ihre Messer, 
doch all die anderen stolzen ´-ismen´,
die konnten´s schließlich auch nicht besser.

Längst liegen diese auch im Graben
und keiner, keiner will sie haben.

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