Das Bauernopfer

Frei nach dem Vermächtnis des Freiherrn Ludwig von Haynau.

Heute erzähle ich eine ganz besondere Geschichte, die scheinbar nichts mit nichts zu tun hat. Um sie hier zu veröffentlichen, musste ich sie noch mal durcharbeiten, um Orte rauszunehmen usw.

Ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber spricht da etwa der Onkel vom Kaspar Hauser?


Unehelich geboren, darf Haynau doch am badischen Hofe auswachsen und wird engster Vertrauter des alten Großherzogs. Er wächst nicht bei seiner Mutter auf, sondern am Hof des Königs. Komisch. Seines Vaters !! ???
In anderen Schriften von ihm deutet er eine wirklich väterliche innige Bezierhung an.
Haynau war demnach der Erstgeborene, aber unehelich.
Der Karl von Baden wurde dann ehelich geboren und regierte nach dem Vater.
Ludwig von Haynau musste bald danach verschwinden, er wusste zuviel.
Der Niedergang  begann erst richtig unter Sohn Karl. Und wer stürzte den deutschen Kaiser? Wieder ein Karl von Baden. So um die hundert Jahre später.
Dieser Bericht ist eine Mischung aus Notizen vom Haynau-Vermächtnis und sehr gekürzten Zusammenfassungen längerer Passagen. Sie war nur als Anhang an eine Dorfchronik gedacht.
Und ich habe in dem erwähnten Herrenhaus 14 Jahre gearbeitet, da flüstern dann schon die Ahnen…
Ist sie eigentlich schon tot, die Schlange aus der Sonnenstadt?  Dazu morgen.

Als Sohn von Stephanie de Beauharnais, der Adoptivtochter Napoleons, und des Großherzogs Karl von Baden wurde Kaspar Hauser an einem Ort geboren, der an esoterisch-okkulter, hermetischer, freimaurerischer und religiöser Symbolik wohl weltweit einzigartig dasteht: „Die Sonnenstadt Karlsruhe“.

Das Bauernopfer

Gestatten, lieber Leser:
Ludwig Freiherr von Haynau.
Genannt auch Baron.         

Manchmal auch Graf.
Oder ganz egal, wie…

Angetreten, um mich zu erschießen,
meine letzte Stunde noch hier zu verbringen,
wo mein Scheitern endgültig wurde,
wo die letzten Felle mir fort geschwommen,
das letzte Haus mir zusammengebrochen.

Hier, wo ich keine Tränen mehr finde,
wo es nichts mehr gibt, das ihr haben könntet,
wo ich nichts mehr außer mich selbst besitze.

Der Einfachheit halber nennt mich lieber Baron.
Das klingt so ein wenig nach Operette,
so, wie mein ganzes Leben gewesen.
Doch endet es nicht mit dem großen Applaus,
es endet mit einem schamhaften Sterben.


***

Am Hofe hat man mich aufgezogen –
am Fürstenhofe im herrlichem Baden.
Wollt ihr mich nach meinem Vater fragen?
Ich ahne es, aber werd´ es nie sagen.
Besser nicht. Besser nicht.
Sonst könnte schnell flackern mein Lebenslicht.

Ganz alleine stand ich am Hofe hier.
Bloß der Groherzog meint´ es stets gut mit mir.

Sehr früh lernte ich, auf Pferden zu reiten,
Gewehre zu putzen und Schönschrift zu üben,
auch höfische Konversation zu pflegen
und sich am Hof perfekt zu benehmen.

Doch ich war auch immer der Außenseiter,
das gelittene Söhnchen meiner Frau Mutter,
die unehelich mich geboren hatte.
Eine Schande in damaliger Fürstenzeit.
Doch ein tüchtiger Mann hat bald sie gefreit.

Alsbald da noch zweier Halbrüder kamen,
Heimrod mit Namen.
So blieb ich am Hofe für mich allein:
Doch der König bestimmt: „Mein Soldat wirst du sein.“.

Doch ich versuchte, es wettzumachen,
indem ich stets besser war als die andern.
Wie eingeprägt war mir: Gehöre zu ihnen!
Zeig allen, dass du ihnen ebenbürtig!

Ich lernte wohl doppelt so schnell wie die andern
und durch Bosheiten ward meine Seele gereift,
damals am badischen Fürstenhofe,
so etwa um jenes Jahr achtzehnhundert.

Von meiner Jugend gab´s nicht viel zu berichten,
nur das neue Getöse aus jener Zeit:
Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit –
mit diesem bin ich wohl aufgewachsen.
Es sind diese Worte, die mich geprägt
und den Drang nach Freiheit in mich gelegt.
Tapferkeit war meine höchste Tugend.
Und gerade so herrlich begann meine Jugend.

Jung war ich, gesund und von feinsten Manieren.
Gut ausgebildet, einem König zu dienen.
Auf Ehre und Ansehen ließ ich nichts kommen.
Und steil ging der Weg an den fürstlichen Hof:

Soldat eines Hochwohlgeborenen sein,
das schwebte mir vor, das wurde mein Ziel
und ich hab es geschafft in kürzester Zeit.

Dann kam der Franzos, der Napoleon
und kassierte die süddeutschen Höfe sich ab.
So kam ich zum französischem Kaiser in Dienst,
delegiert vom eigenem Landesherrn,
und zog mit ihm in den bitteren Krieg.

Bis Moskau bin ich geritten mit ihm,
angetreten als des Großherzogs Diener.
Denn sein Diener war ich, darauf war ich stolz.
Für ihn wär ich an´s Ende der Welt gegangen.

Doch dann der Rückzug war nicht mehr so schön.
Der Größenwahnsinn stürzte uns nieder
in die eisigen russischen Wintersteppen,
wo so viele Menschen den Tod gefunden.
Junge Männer wie ich, die ich so gut kannte.

Doch ich hab es geschafft, kam wieder nach Haus.
Das heißt, was hatte ich wohl für ein zu Hause?
Mein Amt war nur immer, ein Diener zu sein,
ich war zwar ein Freiherr, doch diente dem König.

Damals hatte ich mir meinen Rücken ruiniert,
tausende Meilen auf dem Sattel der Pferde
als Offizier des großmächtigen Kaisers.
Doch war auch nicht wenig mein Stolz verletzt,
in all den versteckten Demütigungen
meiner unbarmherzigen Jugend.

Denn heute sag ich, ehe ich mich erschieße:
die Kindheit ist unbarmherzig gewesen.
Ich war die Unperson dort am Hofe,
gelitten und großmütig klein gehalten.

Mein Halbbruder war schon groß geworden
und seine Karriere stand meiner nichts nach.
General – Major war er am Hofe des Fürsten,
wenige Jahre nur jünger als Karl.

Karl der Obrist, der Dritte im Bunde,
der ältere meiner beiden Halbbrüder,
diente am Hofe des Herzogs von Weimar
am Sachsen – Weimarer Fürstenhof.

So standen wir alle in fürstlichen Gnaden
und herrlich wär unser Leben verlaufen,
hätt´ nicht das Schicksal die Lanze gesetzt
und uns bitterlich auseinander gerissen.

Mein kleiner Bruder war ein tapferer Mann.
So stellt man sich wohl einen Helden vor:
Nie ließ er seine Soldaten im Stich.
Er war Patriot vom Kopf bis zum Fuß,
Und so kam es dann, wie es kommen musste –
er fiel im Kampfe, ehe er sich versah.
In der blutigen Schlacht in der Nähe von Teplitz.

Dort ist auch mein armer Bruder begraben,
nachdem er sich noch drei Tage gequält,
betreut von den Leibärzten der Majestät.
Doch sie konnten ihn nicht mehr am Leben erhalten.

So musste er allzu endgültig bezahlen
für den Übermut, immer voranzureiten.
Wer tut dies schon von den großen Majors?
Mein Bruder war ledig, er war ja noch jung,
doch hinterließ er ein kleines Söhnchen.
Und wie durch Vorahnungen dazu getrieben,
verfasste er vorher noch sein Testament.

Ehe es in die Schlacht ging, beim letzten Trunk,
kam der Fürst persönlich zu den Herrn Offizieren,
um ihnen das rechte Geleit zu geben
und zufällig gerade im Haus meines Bruders.

Und als man die letzten Worte gewechselt,
da holt mein Bruder den kleinen Sohn
und trägt ihn in diesen illustren Kreis,
um vor der Riege der Heeresführer,
unter den Augen des mächtigen Fürsten
hier seinen letzten Willen zu sprechen
und testamentarisch sich festzulegen.

Hierbei ging es nicht nur um sein schönes Vermögen,
es ging auch, vor allem, um seinen Namen.
Das Söhnlein sollte auch Freiherr heißen,
als rechtmäßiger Erbe von Friedrich gelten
und das Heimrod´sche Siegel und Wappen tragen,
würd´er womöglich vom Feind erschlagen…

Der General und sein Sohn. Ein schönes Bild.
So war auch die ganze Gruppe gerührt
und das Fürstenwort gab dem Ganzen die Krone,
es sei dieses  Söhnchen gut aufgehoben.

Dies war alles im 1813-er Jahr, 
dem Jahre der erbitterten Schlachten,
dem Jahr von des Großkaisers Niederlage.
Und ich kam zurück an den Hof meines Fürsten,
der Siegestraum des Kaisers war ausgeträumt.

In Süddeutschland war alles beim alten geblieben,
der alte Mief war noch lang nicht verflogen
und alle, die nicht mit im Kriege gewesen,
hatten ihr Schäfchen ins Trockne gebracht.

Doch ich war dem Großherzog treu ergeben
und wurde Minister im Kabinett,
bekam Befugnisse über und über,
wurde daneben noch Domänen-Verwalter
und Mitglied seines Geheim-Kabinetts.

Ich war nicht gebunden in Gruppen und Sippen.
Ich konnte aus bestem Gewissen handeln
und war nicht mal einer Familie verpflichtet,
denn wer will sich an einen Soldaten binden?

So wurde ich des Großherzogs treuester Diener
und meine Ergebenheit hat er erkannt.
Denn in seinem Staate stand nichts mehr zum Besten.
Wie ein Filz waren seine Beamten geworden,
sie waren im Verborgenen die heimlichen Herren,
eine Hydra, die tief von unten agierte
und alles bald in den Abgrund führte.

Fast schien es, als bräche alles zusammen,
man spürte die Risse im Fundament
des hohen badischen Fürstenhauses.
Die neuen Ideen und die alten Geschäfte,
das passte auf keine Art mehr zusammen
und gegen den Fürsten entstanden Komplotte.
Man spielte ein wenig Revolution
und wollt´ doch die eigenen Rechte behalten.

So wurde ich bald am Hof unentbehrlich
und dringlichst bat mich mein Landesherr,
die Geheimpolizei noch zu übernehmen,
weil absehbar schwere Zeiten kämen.

Ich wehrte mich, wie ich es eben vermochte,
ganz genau wusste ich, was mir blüht.
Ich war den Intrigen so gar nicht gewachsen,
weil die Schlange das Land  ins Verderben zieht.

Die verfilzte Sippschaft war nicht zu fassen
die unentdeckt alles unter sich brachte.
die Intrigen spann und beim händeln und prassen.
den betrogenen Landesherrn noch verlachte.

So bin ich sein einziger Vertrauter geworden
und war nun auch Chef der Geheimpolizei.
Ich lebte wahrhaftig am Fuße des Thrones,
gab meine Kraft einzig dem Landesherrn..
Doch dies alles ist nun schon lange vorbei

Doch so, wie ich kraftvoll und konsequent
die Interessen des Fürsten vertrat,
so wuchs bald unter all den Intrigen,
die Ränkespiele, den falschen Sinnen.
unaufhaltsam ganz üble und bittere Saat.
 
Mehr und mehr wurde mir alles zuwider.
Wie oft hab den Fürsten ich angefleht,
mich wieder aus diesen Pflichten zu lassen!
Doch dafür schien es für mich zu spät.


Mir nur einen einfachen Dienst zu geben,
so, wie es kurz nach dem Kriege gewesen!
Vergeblich mein Bitten. Er war nicht bereit,
mich als Chef der Geheimpolizei zu entlassen.
Das kam mir bitter, doch ich begriff:
Wir sind auf einem sinkenden Schiff.
Auf wen außer mich konnte er sich verlassen?

Deren Tuscheln, Flüstern und deren Gebärden
ließen mich deren Bosheit begreiflich werden.
Ich spürte, wie alles gefährlicher wurde,
wie schnell sich mein bitterer Lebenskelch füllte.

 
Immer bedenklicher musste ich fühlen.
Ich war der Spielball bei deren Spielen.
Ich war die Front zwischen Einem und vielen.


Bis dann mein Glas schäumend überlief
und meine Gegner hatten gewonnen..
Soviel Intrigen hatt´ man heimlich gesponnen.
Verleumdungen, Hass und giftige Reden
hatten den gnädigen Landesherren
endlich ganz in die Knie gezwungen..

Und ich, der Haynau, sein treuester Diener
wurde nichts als sein Bauernopfer.
Ich musste hinweg, denn ich war zu gefährlich,
ich hätte sie alle vernichten können,
mit meinem Sprechen sie richten können..
Doch sie waren viele und ich war allein.
Ich muss verschwinden. Soll es so sein. 

Auf den neuen Landesherrn konnte ich nicht zählen.
Und verloren war mein ganze Familie.
Wär wenigstens Friedrich noch am Leben gewesen,
der große General am Hofe des Fürsten,
dann hätt´ sich wohl alles zum Guten gewendet..

So verlor über Nacht ich all meine Posten,
doch war´s auch, als fiele ein Stein mir vom Herzen.
Niemals war ich nur ein Soldat gewesen
ich war immer auch der geborene Landmann.
Aller Ökonomie äußert aufgeschlossen,
hab ich immer das ländliche Leben geliebt.

So hab ich die Brücken all´abgebrochen
und hab über Nacht meine Hauptstadt verlassen,
um mir fern meiner Heimat eine Heimat zu suchen..
Auf den Fürsten braucht´ ich keine Rücksicht mehr nehmen.
All ihre Intrigen können wollen mich nicht mehr grämen.
Und gar deren große Verbrechen.
Drüber wird nur der Herr noch sein Urteil sprechen.


Zunächst ließ ich mich in Freiburg nieder,
um von dort aus mir einen Landsitz zu suchen
und wie es so spielt, man kennt diesen und jenen –
hat man mir den Amtmann von Colditz empfohlen.

Der Amtmann Kuno, wie man ihn nannte,
hat bald überall sich für mich verwendet,
denn ich war ein gebildeter, vermögender Mann
und hatte mich auf alle Weisen bewährt.

Dieses Land Sachsen, wohin es mich zog,
gefiel mir sehr gut aus mehreren Gründen..
Hier herrschte ein anderer Fortschritt am Hofe
nicht wie in Baden, dieses muffige Klima.
Und außerdem gehörten die Freiherrn von Haynau
immer ein wenig zum Sächsischem Adel..

In Sachsen war immer der Bauer ein Herr,
stets in Ehren gehalten vom Landesherrn
und gerechter ging´s zu als in anderen Ländern.
Jetzt wird sich mein Leben zum Guten ändern.

So griff ich zu, als Herr Luttermann,
der im Städtchen L. Amtsverwalter gewesen,
seinen Landsitz mir anbot – und ich nahm an.

Wie schnell sich meine Probleme jetzt lösen!

Sofort griff ich zu, gar keine Frage..
Zwei herrliche Güter in vorzüglicher Lage
inmitten uralter gemischter Wälder
und gut gepflegter Wiesen und  Felder.


Jetzt war ich endgültig ein Landmann geworden
und um wieder auf die Beine zu kommen,
begann ich, mich in die Arbeit zu stürzen.
Ich hatt´ allen Grund, mich glücklich zu fühlen,
denn der Dienst am Hofe war endgültig aus
ich war endlich frei, war mein eigener Herr
und konnte mir schaffen Hof und Haus.
und außerdem, muss ich es hier gestehen,
wollt´ ich endlich nun eine Familie gründen.
Werde sicher ein liebes Weib bald finden.

Die junge verwitwete Gräfin von Taube,
sie war´s, die so lieb mich an sich gefesselt.
Ich kannte sie noch vom fürstlichen Hofe,
ihr Gatte war vor mir Minister gewesen.
Meine Sophie, wie ich sie nannte,
war ein richtiges Sachsenmädel.
Von hohem Stand, dazu hübsch und fein:
Nun würden sich beider Probleme lösen.

.
Denn sie kam aus Dresdener Adelsgeschlecht,
derer von Zeppelin, die ihr wohl kennt.
Kein Wunder, dass wieder nach Sachsen sie wollte!
Sie wusste nicht, was sie in Baden noch sollte?
So war unsere Hochzeit bald schon beschlossen.
Und ich plane den Umzug unverdrossen.

Ich hatte Vermögen und sie war nicht arm
und die ganze herrliche Welt stand uns offen.
So kaufte ich gleich noch ein Gut hinzu
in diesem Dorf G. umgeben von Wald.
Gegrüsst liebes Sachsen! Wir kommen bald!.



Drei schöne Güter waren mir jetzt zu Eigen.
ein Pferdnergut linkerseits von der Kirche
und ein kleines, wo vorher die Schmiede gewesen,
an dem Platz, wo sich die zwei Bäche finden,
die nach langem Weg in der Elbe münden.

Doch das schönste und größte war jenes Gut
wo seit uralten Zeiten die Schenke gewesen.
Dort beschloss ich, mich endgültig niederzulassen,
für den Rest des Lebens nun nun Fuß zu fassen.


Jetzt konnte ich mich an mein Werk begeben,
beschaffte mir Schafe einer wertvollen Rasse,
denn Schafwolle war gefragt auf dem Markt..
Die Bevölkerung wuchs, die Städte erblühten
und kleiden musste sich schließlich ein jeder.
So glaubt ich, ein gutes Geschäft zu machen
indem ich die Güter auf Schafe umstellte.




Ganz dringlich hat ich aber noch andere Pflichten:
mein Pferdnergut, wo früher die Schenke gewesen,
sollte zum richtigem Herrenhaus werden.
Denn meine Sophie zog zu mir aufs Dorf.
und sollte gut wohnen, ihrem Stand angemessen.

Mir wäre es wohl egal gewesen,
ich hab nie im Leben vieles gebraucht.
Doch für unsere Kinder musst ich es tun,
das erste trug Sophie schon unter dem Herzen.

Ihre anderen Kinder aus erster Ehe
waren schon groß – und in Baden geblieben.
Sophie und reisten ganz allein.
Es sollte ein neuer Anfang sein..


Wir führten bald schon ein prächtiges Haus,
groß und stattlich, gut sah das aus.
mit Bibliothek, mit Salon und Saal
und dazu selbstverständlich – mit Personal.

So ward es im Dörfchen die herrlichste Zeit.
Glück im Heim und die Felder voll Fruchtbarkeit.
Wie hab ich den Boden aufgebessert!
Rekordernten habe ich eingefahren,
aus kargem Land Weizenfelder geschaffen.

Denn vieles hatt´ ich im Leben gelernt.
erfahren, versucht und angewendet
Bald galt ich als kluger Mann in der Gegend
und die Bauern kamen und fragten um Rat
Die meisten konnten nicht lesen und schreiben
doch ich half, wo ich konnte, mit Wort und Tat.

Doch gerade so wie, es in Baden gewesen,

hatte ich hier das gleiche erkannt:
Die Armen machte immer die Dummen
und gegen Willkür, da kam keiner an.
Sehr bald schon sollte ich dieses selbst spüren
und hatte das Gesicht schon wieder im Wind.
Weil solche Verhältnisse überall sind

Es gab noch immer die alten Frohnen.
Viele Lasten lagen auf jedem der Güter.
und jedermann musste die Frondienste leisten,
als verbrieftes Recht aller Rittergüter.
Ohne Erlass, jedes Jahr wieder.,

Doch ich war ja schließlich ein freier Mann –
ein Freiherr mit Rechten, verbrieft und versiegelt
und nie hätt ich mich einer Willkür gebeugt.
Einen von Haynau beugt keiner nieder..

Doch die Bauern hatten noch schwer zu tragen
und langsam nur wurden die Rücken gerader
und die Forderungen nach Fronablösung
warden unüberhörbar am sächsischem Hof.


Jetzt war ich der Kämpfer, der Bauernführer.
Ich hatte versprochen, für sie zu fechten:
die Fron in der Gegend zur Ablösung bringen
zu einem bezahlbaren Obolus.

Den Bauernverfechter glaubt ihr mir nicht?
Dann schaut einmal nach in den alten Briefen.
in den Archiven.
Meine ärgsten Feinde warfen mir´s vor –
und denen glaubt ihr doch sicherlich.

Gefochten hab ich auf allen Gerichten,
die Bauern ermuntert zum Widerspruch.
Zu nah stand mir noch die Revolution
seit damals in Frankreich, wo ich gewesen.
.
Die Zeit war reif in den zwanziger Jahren
und bald sollt´auch ich wieder Unrecht erfahren.
Man wollte mir meine Schafzucht nicht gönnen,
denn das Schafhaltungsrecht war streng bemessen,
nur die Kleinen hatten sie dabei vergessen.

Schönes Sachsen, doch leider wahr:
Mit mir als Freiheeren kamen die nicht klar.
Nur Frongüter hatten das Hutungsrecht.
Für Freie und Arme steht es schlecht.
Doch hab ich mich gar nicht beirren lassen
und ließ meine Schafherden weiter grasen.  


Allmählich merkte ich, was noch so lief.
Der Amtmann Kuno, mein alter Freund,
war ein eher tückischer Geselle geworden.
Den Salzhandel hatte er an sich gerissen.
und ließ sich das Salz reichlich teuer bezahlen.

Wer sollte´ sich wehren gegen sein Monopol?
Er lebte im Luxus und fuhr Equipage,
doch war er bei mir an den Falschen geraten.
Ich rechnete ihm sein Unrecht schnell vor
und zeigte ihn an am Hofe von Dresden
So hatt´ gleich ins Fettnäpfchen ich getreten.

Mir waren Prozesse ja immer zuwider,
doch musste ich immer gegen Unrecht angehen,
hab´ es so mit manch gutem Freunde verdorben.
Aber ´nicht gelebt´ heißt auch gestorben.

Jetzt kamen die Bauern in Scharen gelaufen
und baten darum, ich soll sie beraten.
Wenn sie selber nicht aufstehen und fordern Recht,
kann ihnen ein jeder Hanswurst schaden.


Der hatte dies und der andere jenes
und ich hab versucht, ihnen allen zu helfen –
zu ihrem Besitz, zu ihrem Recht,
Denn vieles war auch in Sachsen schlecht.

So kam ich den Herrschaften sehr in die Quere.
Wenn der doch im Baden geblieben wäre!


Das gab es doch nicht, dass ein Herr Baron
für Schreibunkundige Briefe verfasst!
Das hatte es doch noch nie gegeben,
dass ein Reicher ´nem Armen hilft vor Gericht.
Das darf der doch nicht!
Doch hatten die Bauern weder Wissen noch Geld,
einen fadenscheinigen Advokaten zu löhnen.
So schien meine hilfreiche Tätigkeit
der Obrigkeit bald in den Ohren zu dröhnen. .

Und so kam das eine bald zu dem anderen.
Ich war der Nagel in der Herrschaften Fleisch
und musste mich mehr und mehr wenden nach Dresden,
um beim obersten Landesherrn Recht zu erhalten.

Mit Kuno hatt ich es nun gänzlich verdorben,
aus gediegenen Freunden wurden bittere Feinde
und er versuchte an mir, sein Mütchen zu kühlen.
Ich war ihm ein Ärgernis, das konnt ich fühlen.

Ich konnt´ tun, was ich wollte, ich machte es falsch.
Habe ich mich beschwert, hat es keiner notiert.
Ich brauchte mich gar nicht ans Amt mehr zu wenden:
Sie haben mich einfach vorgeführt.

Der Haynau passte nicht mehr zu den Großen!
Zuviel versuchte er, umzustopen…

Und dazu hatte ich ein paar eigne Probleme
mit meinem Pächter auf meinem Gut,
einem Herrn Dabow aus Luckau, gelegen in Preußen,
an ihn zu verpachten, war nicht so gut.

Sein Vorwurf war, ihn im Kontrakt zu betrügen.
Doch war der Kontrakt getragen vom Recht,
Von uns Zweien unterschrieben in gutem Willen.
Plötzlich will den Kontrakt er nicht mehr erfüllen?


Und leicht wär´s gewesen, uns neu zu erklären,
wenn nicht die Intrigen von hintenrum wären…
Doch nun hatte Kuno noch leichteres Spiel
und hetzte den eigenen Pächter mir auf.
Immer drauf auf den Haynau! Feste drauf!

Rechtsverdreher der übelsten Sorte,
von denen die meisten aus Preußen kamen,
nun langsam den Pachthof in Vollbesitz nahmen.


Und ich, der Besitzer; der Eigentümer –
hatte kein Recht, sie hinauszuwerfen.
Der Pachtkontrakt sah so etwas nicht vor.
Und rechtlos stand ich vor dem eigenen Tor.

Habe mich wieder und wieder beim Amtmann beschwert,
damit der es, wie gehabt, untern Teppich kehrt.

Meine Gattin Sophie mit unseren Kindern
hatte das Leben hier leider auch nicht vertragen.
Und was konnten hier meine Söhne schon lernen,
in dem kleinen Kabuff, das die Schule nennen?
Was erfahren sie hier, was lernen sie kennen?

Mit einem Lehrer für alle die Kinder?
Wo alle in einem Raume saßen? 
Nein, mit der Bildung ist nicht zu spaßen.
Das war keine Erziehung für unsere Söhne,
da herrschen in Dresden ganz andere Töne.

Was blieb uns übrig?
Wir zogen nach Dresden,
um dort unsere Buben nach dem Stand zu erziehen,
der für künftigen Freiherrn erforderlich ist.
Mög die Volksschule auch für´s Volk genügen.
Für Freiherren gilt: Nur Bildung macht frei,

So blieben die Güter in Pächterhand,
doch regelmäßig hielt ich in G. mich auf,
sonst wär alles drunter und drüber gegangen.

Denn kam ich nach Haus auf eines meiner Güter,
dann stand der Pächter verbissen vorm Tor,
um ihn seine preußischen Spießgesellen
seine Unrechtshalunken der schlimmsten Art –
und er hätt´ mich am liebsten nicht reingelassen.

Oft nahm ich den Dorfrichter Eichler als Zeuge
er konnte bestätigen, wie das so lief.
Wie mir nicht nur einmal maßlos gedroht ward,
dass hier wohl bald mein Stündchen wird schlagen.

In meinen eigenen Wäldern schlichen sie herum,
mich endlich zu kriegen vor ihre Flinte.
Auf der Hut musst ich sein, das kann ich euch sagen.
Der Dorfrichter und sehr viele andere
können dies ganz wahrhaftig bezeugen.
Doch ich ging niemals ein Stückchen zurück!
Ich prangerte immer das Unrecht an,
hab mich nie aus Feigheit zurückgehalten
und es mit der Obrigkeit ganz verdorben.

Doch war mein Maß noch lange nicht voll,
ich war wohl geboren, nur um zu verlieren.
Gott hat mich wohl als Exempel geschaffen:
Was kann einem Manne alles passieren?
Wieviel kann der Haynau endgültig ertragen?

Wenn ich jetzt zurückschau, sehe ich es anders.
Ich war wohl ein Opfer der Starrköpfigkeit.
Ich hätte mich arrangieren sollen,
mit den Wölfen gemeinsam die Herde zerreißen,
doch ich hab den Schafen beigestanden
und den Wölfen immer die Stirn geboten.
So bin ich wohl selber zum Schafe geworden,
obwohl ich ein hoher Herr einst gewesen.

Tiefer wie ich kann wohl keiner mehr sinken
mein Lebenswerk ist zerstoben in Nichts.
Doch das muss ich euch noch weiter erklären:

Mein kleiner Neffe, wie ihr wohl wisst
das uneheliche Söhnchen von Fritz
oder Friedrich, wie ich ihn euch vorgestellt habe,
hatte ein schönes stattliches Vermögen geerbt.

Ein Vermögen, welches stammte aus Elternbesitz,
das Vermögen der Heimrods in Silber-Sterling
das glücklicherweise dem Jungen gehörte,
dazu eine Leibrente für die Mama.


Doch diese Mama hat es wohl übertrieben
und ging ihrem Jungen an seinen Besitz.
In kurzer Zeit hat sie aufgetrumpft
und warf nur das Geld so zum Fenster heraus
ein Geld wohlgemerkt, das ihr gar nicht gehörte.

Nun hat mein verstorbener Bruder bestimmt.
dass wir, seine Brüder, zum Vormund werden
und hat uns mit der Erziehung betraut,
dem Jungen gemäß seinem Herrenstande
eine angemessene Bildung zu geben.

Ein künftiger Freiherr konnte unmöglich
am Rockzipfel von einer Küchenmagd hängen
und viel mehr ist wohl seine Mama nicht gewesen.
So wurden mein Bruder aus Weimar und ich
uns einig, den Jungen nach Weimar zu holen.

Mein Bruder mit seiner sehr lieben Gemahlin
hatte selber drei Kinder im ähnlichen Alter
und dort sollte das kleine Waisenkind leben,
gut aufgehoben in Heimrods Familie.

Sein Geld hatten wir ihm sichergestellt,
damit es nicht Unbefugte verdarben.
im Londoner Bankhaus gut angelegt,
solide gelagert und günstig verzinst.

Doch die Rechnung war ohne den Wirt gemacht.
Ich war so ein großer Mann gewesen,
ein getreuer Diener am Hofe des Herzogs,
doch nun hatte ich seinen Hof verlassen,
war „böswillig“, wie sie es nannten, „entwichen“.

Doch dieses Kind war ein Untertan
des badischen Großherzogs und seines Staates
und endlich fanden seine Minister,
die Botengänger von allen Schikanen,
einen Grund, um mich nun wirklich zu strafen.

Denn ich war ihnen immer zuvorgekommen,
selbst auf meine Pension hab ganz stolz ich verzichtet.
Nie wollt ich von ihren Almosen leben,
nachdem mich dort alle so schnöde betrogen.

Und solch ein Stolz, der tut ihnen weh.
Da grübeln sie, wie sie mich packen können.
Sie rückten uns einfach das Kind nicht heraus
und schoben die seltsamsten Gründe hervor.

Nun könnt ihr ja denken, das ist doch gerecht!
Ein Kind soll doch bei seiner Mutter bleiben,
doch war dieses alles damals ganz anders.

Ein Untertanenkind war nur ein Dreck
und ein Freigeborener wurde ein Herr.
Zwischen beiden hatte man sich zu entscheiden,
doch diese Entscheidung fiel keinem schwer.

Das Kind wäre nur ein Vasall geworden,
ein Fußabtreter, dem man es zeigt.
Kein einziger war mehr im badischen Land
der diesem Kind wirklich helfen könnte

Doch es ging den Ministern wohl nicht um das Kind,
es ging ihnen sicher mehr um das Vermögen,
welches lagerte auf der englischen Bank
und die Begierden der Freier erweckte,
sich um die Frau Mama zu bemühen.
Vom Tische des Reichen fällt immer was ab

Die Zinsen hatten wir lange gezahlt
solange, bis das Kind in Baden geblieben
Doch dann rückte man uns den Kleinen nicht raus
und von Stund an bekamen sie auch keine Zinsen.

Denn wir wussten nun, was die Stunde geschlagen
Nie hätten die badischen Leisetreter
das Kind zur Familie des Bruders gegeben
wo behütet die anderen Kinder aufwuchsen
und wo dieses Kind eine Chance hätte,
zu einem edlen Herren zu werden.

Man hat uns bald wegen der Zinsen verklagt,
den Neffen auch später gehetzt gegen uns,
als er dann größer und größer wurde.
Wir waren nun mal die schwarzen Schafe,
hatten gewagt, das Vermögen zu retten
aus dem Einfluss der falschen Freier.

So konnten wir niemals als Vormund agieren
und nie unserem Bruder den Willen erfüllen.
Die Heimrodfamilie war ausgerottet,
nichts war davon übrig im Herzogtum Baden,
und ich, der Haynau, war der große Verbrecher.


Doch das ist vorbei und soll doch nur zeigen,
wie alles sich, plötzlich zum Bösen wendet.
So hatten wir wieder Prozesse am Hals,
Prozesse um Geld, die ich immer so hasste
und wo nur die Anwälte reich dabei wurden
und alle anderen wurden geschröpft.

Doch was blieb uns übrig
Wir mussten uns wehren,
die Giftschlange saß am längerem Hebel.
So ging es auf und so ging es ab,
heut sehe ich mein Leben fast nur als Prozess.
als Scheitern auf meiner Bühne des Lebens.

Zuhause in G. ging es drunter und drüber,
die Seuche hatte die Schafe gepackt,
und der Herr Amtmann wollt´ mir verbieten,
sie noch auf die eigenen Weiden zu lassen!

Am liebsten sollt´ ich sie verrecken lassen,
nur um die Schafherde nicht zu gefährden,
die die Lauterbacher nach G. trieben.

Die hatten noch immer die alten Rechte
die Hütung auf dem Lande der Untertanen
und haben es bis zum Schlusse genutzt,
bis endlich der König das Machtwort gesprochen,
weil ihm aller Druck wohl zu groß geworden.

Nicht enden wollten die verschiedenen Händel
und die Gerichte sind reich geworden.
Verzweifelt suchte ich, Land zu gewinnen.
Doch die Kosten wuchsen mir über den Kopf,
mein ganzes Vermögen schien in Gefahr.

So kam mir in den Sinn, Geld anzulegen.
Das mir übertragene Vermögen der Frau
wollte ich aus diesem Trubel erretten.
Eine sichere Sache in spanischen Aktien.
Ich musste an Frau und Kinder denken.

Doch wie es so läuft, es ging alles schief
und in einer unglaublich kurzen Zeit
hatte ich alles Vermögen verloren.

Das Wasser stand mir jetzt schon bis zum Hals.
Von meinem Vermögen war schon lang nichts mehr da
und die Prozesse kosteten Geld.

So stand ich nun da als gescheiterter Held,
nur meine Gemahlin wusste von nichts,
um Geld und Vermögen hat sie ich nie gekümmert,
zu sehr vertrauend ihrem gutem Geschick.

Sie muss wohl gemerkt haben, wie es um mich steht,
denn vor drei Tagen hat sie mich gefragt
und ich musste ihr als gebrochener Mann
mein ganzes bitteres Versagen berichten.

Erklären, dass wir fast nichts mehr besitzen,
dass alles Vermögen in Nichts sich gelöst,
dass uns all unsere Güter nicht mehr gehören.

Denn Montag kommt der Gerichtsvollzieher
mit dem Amtmann selber,
den Ortsgerichten,
den Gutachtern, Schreibern und Advokaten,
dem Landrichter Flemming aus Bellendorf
und wer sich noch alles die Hände reibt.
Die Demütigung ist schwer zu ertragen,
viel schwerer noch als der ganze Verlust

Nun ist meine Sophie abgereist,
voller Zorn über ihren gescheiterten Gatten.
Und was soll ich sagen?
Was kann noch geschehen?
Meine letzte Kutsche ist abgefahren.
So, wie ich kam, so gehe ich wieder.
Mit leeren Händen, so wie ich gekommen
auf diese herrlich verzwickte Welt.

Nur eine Waffe halte ich darinnen,
mich vor der Demütigung selbst zu richten.
Denn ich bin Soldat,
bin niemals gekrochen
vor Schleimern und Kriechern auf meinen Knien,
habe aufrecht gelebt und bin stehend zerbrochen.

Mein gnädiger Herr hat mich lange vergessen,
als ich noch diente am Fuße des Thrones.
Die Weichlinge haben das Rennen gewonnen,
die Advokaten den Braten gegessen,
die Lumpen das Schäfchen ins Trockne gebracht.

Ich weiß schon heute, wie sie triumphieren,
doch ihren Triumph, den erleben sie nicht.
Mich werden sie nicht im Dreck wühlen sehen,
um sie zu bitten, noch einmal zu regeln.
Ich werde sie niemals um Hilfe anflehen.

Am letzten Tag spuck ich in ihre Suppe
und meine Kinder müssen sehen, wo sie bleiben
und meine Gemahlin, die muß sich wohl trösten.
Sie hat ja den Sohn noch aus erster Ehe,
der wird sie mit seinem Vermögen erhalten.

Ich seh schon, wie alle das Schlachtfeld betreten,
längst kreisen die Geier schon um meine Höfe.

Wo sind meine alten Freunde geblieben?
Die Bauern, denen ich Briefe geschrieben?
Wo ist der Förster, mein alter Freund?
Wo ist mein Schäfer, mein alter Geselle?
Mein alter Schirrmeister, Müller Adam,
der damals von Freiburg mit mir hierher kam?

Wo ist der Pfarrer, der Freund der Bedrängten,
merkt er nicht, dass ich jetzt Beistand brauche?.
Wo ist der Richter, der Spielkamerad,
der mit mir am Abend die Karten mischte?
Wo sind nur all meine Freunde geblieben?

Ich sehe schon meine Güter stürzen,
das Liebste wird gnadenlos mir entrissen,
für ein Apfel und Ei wird wohl alles versteigert,
den Rest fressen auf die Hohen Gerichte.

Der Hass hat ihnen den Rest gegeben.
Wenn einer strauchelt, kriegt er einen Tritt
und alles ist weg, was früher gewesen.
Bleibt einer aufrecht, macht man ihn nieder.

Ich sehe schon die Fuhrwerke in meinen Gütern,
wie sie mein Getreide und Heu sich aufladen,
die Möbel verramschen, die Schafe wegtreiben,
die Teller und Gläser untern Nagel sich reißen.

Wie die Giebel einstürzen,
die Wände einfallen,
wie Scheune und Ställe zusammengedroschen.

Ich seh sie schon feilschen um Heller und Pfennig,
wie alle die Preise herunterdrücken.
Zu Dreck sind die herrlichen Güter geworden.

Ich seh schon die G…ner, denen oft ich geholfen,
wie sie gierig die besten Felder sich suchen
und heimlich die Eichen sich fällen im Wald.

„Der Hausherr ist tot“, so wird man dann sagen,
„und die Dame des Hauses ist lang schon verzogen.
Sie kennt sich nicht aus, man kennt sie ja kaum.
Beizeiten hat sie sich vom Gute verdrückt.

Er blieb ganz allein, das arme Schwein
Nicht mal seine Söhne kriegte er noch zu sehn.
Wer weiß, ob er von richtigem Adel gewesen.
Man weiß ja nie, was dahintersteckt.
Umsonst ist nicht alles zusammengebrochen.

Sie holen den letzten Wein aus dem Keller
und rupfen die letzten Gänse im Stall.
Sie jagen die letzte Magd aus der Küche,
die treu mir noch immer das Essen bereitet,
obwohl ich ihr lange schon nichts mehr bezahl.

Ich sage es nicht, ob ich´s wirklich getan hab.
Fest steht, ich bin nicht viel älter geworden,
die Versteigerung habe ich mir erspart.
Und im Kirchenbuch bin ich gleich gar nicht erwähnt,
das sollte euch wohl noch zu denken geben.

Ausgelöscht bin ich, als hätt ich nie gelebt.
All meine Güter wurden geschliffen,
abgerissen bis auf den Grund.
Härter kann man einen Mann nicht vernichten.
Man muss ihn vernichten am Lebenswerk,
die Familie läuft ihm schon selber davon.

Mein Herrenhaus ist allein stehen geblieben,
als Forsthaus dem Könige zugehörigund riesig hat sich
mein Dörfchen verändert.

                     

Das ganze Dorf hat von mir profitiert,
die Felder und Wiesen wurden verkauft,
vertauscht und in junge Forsten verwandelt.
So hat jetzt das Dorf ein andres Gesicht,
nur meine Güter sind alle verloren
und nicht mal ein Grabstein erinnert an mich.

Bin frei geboren und frei gestorben,
eine jede Verbeugung hab ich mir erspart.
Keinen Eltern war ich zum Danke verpflichtet.
Kein Kuhhandel hat mich nach oben gebracht.
Keinen Posten hat man mir zugeschanzt.

Allein meinem Herrn hab ich redlich gedient,
doch ich war zu gering, um ihm was zu bedeuten.
Ich war wohl des Königs Bauernopfer.
doch vom Anfang bis Ende sein treuester Diener.

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