
Ich bin wieder da! Volle Kraft voraus!
Mein Lebensmotto ist:
Magisches Feuerschwert wird sich entzünden. Lasse die Menschen daran teilhaben.
Das bewirkte, mit den Texten, die ich in den letzten Wochen verfasste, nun doch an die Öffentlichkeit zu gehen.
Während meiner ´Funkstille´ habe ich viel gearbeitet, und zwar so, wie ich es früher tat. Gedichtet! Aus der Seele heraus! Ich weiß von der kritischen Zeit jetzt und habe – nicht zuletzt deswegen – mich in diesen konzentrierten (disziplinierenden) Zustand des eigenen `Worteschmiedens` hinein versetzt.
Weil es für jeden gut ist, bei sich und in sich zu bleiben.
Ich wartete immer noch auf einen Impuls, es hier reinzustellen, danke www für den entscheidenden Hinweis.
Mancher Leser wird Teile der Texte als falsch, unpassend oder lächerlich empfinden.
Geschenkt. Habt Nachsicht mit
Ahnenfreundin
Ursprünglich war dieses Format eines Gespräches zwischen den Generationen als kleiner Sketch für eine dörfliche Laienspielgruppe gedacht, Umfang etwa 10 Seiten. Er sollte unser 20. Jahrhundert und die deutsche Misere zum Inhalt haben.
Das lief aus dem Ruder und ich veränderte und erweiterte den Text beträchtlich. Inzwischen sehe ich es als Impulsgeber an für Bewusstseinsveränderung. Oder auch als meine persönliche Erfahrungschronik in verdichteter Form.
Personen: Onkel Hans, Großvater, Großmutter, Vater, Mutter, Sohn, Tochter
Eine Familie sitzt am Esstisch in aufgelockerter Runde
Der rechte Onkel
Großvater
Auf den feinsten Nervensaiten
spielt der Spielmann sein Gedicht.
Wohl siehst du die Finger gleiten,
doch den Spielmann siehst du nicht!
Dies Jahrhundert anzupacken,
das ist wirklich nun ein Graus.
Armut, Wohlstand, Krieg und Frieden,
Glanz und Elend stehen ins Haus.
Großmutter weist auf eine schwarz-weiß-rote Fahne, die liegt.oder hängt
Schau mein Deutschland, arme Heimat,
was hat man dir angetan?
Böse wurdest du geschlagen,
Aug um Auge, Zahn um Zahn.
Und nach all der großen Not
liegt mein Deutschland da wie tot.
Tochter: schnippisch, frech
Letztlich wart ihr selber Schuld.
Senkt den Kopf, den Arm lass sinken.
Denn die Deutschen konnten nur
schießen, schuften oder winken.
Ihr seid Schuld – ihr alten Leute –
habt den Hitler so verehrt.
Und nun ist die Jugend dort,
wo ihr Alten hingehört.
Zügig in den Untergang,
bitte nach euch, da geht´s lang!
Wie konntet ihr so dämlich sein?
Ihr fielt auf diesen Hitler rein!
Sohn:
Das ist eure Schuld und Schmach,
ihr folgtet einst dem Führer nach.
Und was haben wir nun davon?
Deutschland zahlt alles.
Welch ein Hohn!
Wie ungerecht und unerhört!
Warum habt ihr euch nicht gewehrt?
Ihr habt verursacht diesen Schaden,
wir Jungen haben´s auszubaden.
Mutter:
Nein, das nehm´ ich mir nicht an:
Ja, Hitler war ein böser Mann,
der Deutschland in den Abgrund führte.
Ich weiß das, was ich es studierte,
und mich von Hitler distanzierte.
Ich bin nach jener Zeit geboren,
als es Hitler nicht mehr gab.
Nein, wir sind nicht Schuld am Krieg,
brecht nicht über uns den Stab.
‚
Oh wir haben uns gewehrt
und wir standen dafür ein:
Niemals, niemals, niemals wieder
sollt´s wie unter Hitler sein.
Pioniere, FDJ,
endlich dann noch die Partei.
Unterm Schutz der russischen Brüder
waren wir von Hitler frei.
Eine Last fiel uns von´ Schultern:
Wenn wir uns nur distanzieren,
wird der Sieg des Sozialismus
uns in gold´ne Zeiten führen.
Wer Hitler wählte, trägt die Schuld –
so ist das nun mal – leider …
Doch wir sind nach dem Krieg geboren
und damit aus dem Schneider.
Da gab´s auch keine Diskussion,
ob alles rechtens wäre,
wir nahmen als gegeben hin,
dass Deutschland ohne Ehre
und unauslöschlich schuldig sei.
So war der Spuk für uns vorbei.
Großmutter:
Leider, leider ist das wahr.
Ihr wart nicht mehr ansprechbar
auf das einst stolze deutsche Reich
und ihr winktet ab sogleich,
wenn von russischer Gefahr
unsererseits die Rede war.
Großvater
Mir blieb auch der Mund verschlossen,
war gefangen bei den Russen.
In Sibirien viele Jahr.
Sich zum Hitler-Reich bekennen,
bracht mein Leben in Gefahr.
Also läufst du mit der Meute
und in allergrößter Not
denkst du: Lieber rot als tot.
Vater:
Wir waren jung und wollten leben,
warum wollt ihr´s nicht begreifen?
Verliebt waren wir – der Krieg vorbei.
Nach all dem Chaos endlich frei.
Großvater
Ach, ihr wart frei?
Und – eure Russen-DDR,
die war das Gelbe von dem Ei?
Mutter:
Uns ging damals schon ganz gut
mit unseren kleinen Senkern.
Tochter:
Mami, ja das siehst du doch,
Opa will bloß stänkern.
Großmutter
So geht das nun die ganze Zeit:
Um Politik sich streiten.
Ihr seid euch nur in einem einig:
Hitler könnt ihr nicht leiden.
Vater
Das stimmt sogar. Denn Hitler hassen,
das wurde zum Erfolgsrezept.
Der Hitler- und der Deutschlandhass
ist das Programm, das in uns steckt.
Dass wir uns damit selber hassten.
unsere Ahnen, unsere Väter –
dass wir uns damit selbst zerstörten,
erkannten wir erst später.
Wir wähnten uns auf sicherer Seite.
Mach es nur den Besatzern recht,
dann gehst du auch nicht Pleite.
Wir mussten schließlich allesamt
uns entnazifizieren.
Was unterm Strich nichts anderes heißt,
als unsere Seelen verlieren –
das deutsche Denken, Sprechen, Fühlen-
im Grunde unsern deutschen Geist.
Tochter:
Wobei ich dir verrate:
Um den ist es nicht schade.
Bald münden wir in Einem nur:
in der vereinten Weltkultur.
Für Modernes bin ich stets bereit,
ich gehe immer mit der Zeit.
Was soll zum deutschen Geist ich sagen?
Ich lass vom Strom der Zeit mich tragen.
Großvater:
Wir wurden alle zu Roten gemacht.
Obwohl ich Stalin zugutehalte,
er hat unser Land nicht umgebracht.
Seine Ostzone hat er im Gegenteil
als einen deutschen Staat bewahrt.
Das nützte nicht viel, denn die Selbstauflösung
des Deutschen Reiches kam trotzdem in Fahrt.
Ein winziger Rest nur vom Deutschen Reich
und doch für den Westen der Stachel im Fleisch.
Ein Prellbock zwischen Osten und Westen.
Mutter:
Nur mit der Versorgung stand´s nicht zum Besten.
Zwar standen alle in Lohn und Brot,
offiziell litt auch keiner Not.
Nur das eingesperrt sein
war das große Problem.
Sozialistisch gegängelt ist unangenehm.
Vater:
Da sagte mir damals so´n Wessi-Typ:
“Ihr Ossis, was habt ihr euch bieten lassen!
Uns Wessis könnte das nie passieren:
Aus politischen Gründen alles verlieren.
Eure Duldungsbereitschaft ist nicht zu fassen.“
Wir haben damals beide gelacht.
Was doch ein Staat aus den Menschen macht.
Ich traf ihn neulich, da hat er erzählt,
aus Frust habe er die Grünen gewählt,
damit es endlich mal vorwärts gehe,
denn die CSU wär ihm langsam zu zähe.
DDR 2 – das kennen wir doch.
Und glaubt mir, ich lache immer noch.
Großvater:
Wir waren sowas wie geschützter Raum.
Doch dann ´89 war aus der Traum.
Ich meine den Albtraum, sonnenklar.
Großmutter
Traum oder Albtraum, beides ist wahr.
Im Westen sah´s etwas anders aus,
die hingen den reichen Onkel raus.
Und wir DDR-ler, eingeschüchtert und klein,
fielen auf diese Angeber rein.
Die DDR war indessen sowas von Pleite,
verzückt starrten wir zur anderen Seite.
Reich werden wie sie, da war unser Ziel.
Dann der große Tag, als die Mauer fiel
Tochter:
Ich kenn´ sie nicht mehr, eure DDR.
Wenn ihr so erzählt, wird mir aber klar,
dass es besser als unter Hitlern war.
Die BRD findet ihr auch ganz schlecht.
Ich denke, keiner macht es euch recht.
Zum Glück konnte sich die DDR nicht halten.
Vater:
war bloß noch ein System zum Mängel verwalten.
Tochter
Deutschland ohne den Glanz von Amerika
wäre für mich nicht vorstellbar.
Die großen Stars kommen alle von drüben,
die ganze Kultur – Medien, Musik,
Computertechnik und Fastfoodsketten –
per Flieger durchs Riesenland zu jetten –
das ist Amerika. Das find ich gut.
Und nicht zu vergessen Hollywood.
Großvater
Du kanntest die DDR nicht mehr,
Doch auch dein verehrtes Amerika
kennst du doch nur vom Hörensagen.
Ihr seid nur geblendet, wart selber nie da.
Mutter:
Die haben eine andere Mentalität,
als wir oder … Russen,
das ist nicht zu vergleichen.
Stets aufgebrezelt und hoch hinaus.
Trau keinem Ami – so siehts doch aus.
Allein schon durch dieses Musikgeplärr,
alles in englisch. Fühlt ihr nicht mehr
eure deutsche Seele. die in euch ruht?
Großmutter:
Nein, dieses Gehämmer tut euch nicht gut.
Das Berieseln ist nicht zu eurem Wohl:
Etwas Fremdes, da euch vereinnahmen soll.
Allein dieses Englisch, es ist nicht euer.
Meine eigene Sprache ist lieb mir und teuer.
Meine Mutter hat mich deutsch programmiert,
was zur tiefen Liebe zu Deutschland führt.
Großvater:
Und jetzt fühlen sie sich unter Amis wohl,
sie denken wie diese, bezahlen deren Kriege
und ordnen sich leicht ins globale Gefüge,
ohne Murren und Widerspruch.
Und das wird unser Zusammenbruch.
Die haben mit Sorgfalt und mit Bedacht
der Jugend die Heimat verächtlich gemacht.
Geistig vergiftet haben sie die.
Und das verzeihe ich denen nie.
Vater:
Der letzte Krieg war nicht wirklich verloren,
es bestand ja fort, unser deutsches Reich.
Sie trieben uns geistig in Suizid.
Mit Propaganda und vor allem – Musik.
Die Jugend fiel damit in Feindeshand.
Die konnten weiter in Germany wohnen,
doch der Feind bestimmte die Emotionen.
Die konnten die Jugend damit dirigieren,
steuern, verrohen, versauen, verführen.
Das war des Feindes teuflischster Plan.
Er setzte die Axt an der Wurzel an.
Kollektives Bewusstsein? Das war vorbei.
Vielen ist Deutschland ganz einerlei.
Frei verfügbare Massen, gesteuert vom Feind
und nicht einmal mehr in der Sprache vereint.
Mutter:
„Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.“
Mit Burger und Cola kriegt man das hin
unter ständiger Englisch-Berieselung –
der Jugend ihr Deutsches abzuerziehen.
Wir Ossis sind da eine andere Art.
Wir haben weitgehend die Sprache bewahrt.
Wir wurden zwar von Russen geprägt,
mit Russenfilmen und Prawda-Lektüre,
doch wir machten unsres
und die Russen das ihre.
Aber der Russe hat niemals so
wie der Ami – die Axt an die Wurzel gelegt.
In dem Punkt sprech´ ich die Russen frei.
Vater:
Und in Bletchley Park waren sie auch nicht dabei.
Sohn:
Bletchley Park? Muss man das kennen?
Liegt das in England? Was war denn da los?
Vater:
Da versetzten die ´ehrbaren Westalliierten´
unserem Volke den Todesstoß.
Großmutter.
Wir Alten wissen davon nichts,
nur von den schrecklichen Lagern am Rhein.
Von einem Park hab ich nichts gehört.
Großvater:
So werden die neuen Kriege geführt:
Hinterrücks, heimtückisch, ungeniert.
Unehrenhaft, dreckig und ohne Schneid.
Vor allem mit tödlicher Präzision.
Das ist der Charakter unserer Zeit.
Großmutter:
Verdeckte Kriege, der neue Sport,
bestens geeignet für Völkermord.
Mutter:
Manchmal wünsch ich mir den Osten zurück.
Da waren wir zwar ärmer ein ganzen Stück,
aber wir waren für uns alleine
und halfen gemeinschaftlich uns auf die Beine.
Die Gastarbeiter mussten zum Glück
wieder in ihre Länder zurück,
so dass wir, und das ist nicht übertrieben,
als Deutsche so ziemlich unter uns blieben.
Die Idee war schon gut, sozialistisch zu leben …
Was wäre wenn
Vater: unterbricht
… Die Idee war dumm ! Sowas von daneben.
Wenn eine Staatsführung aus Funktionären besteht,
kannst du sicher sein, dass das Land untergeht.
Weil keiner dafür Verantwortung trägt…
Großvater:
Und sich jeder, der sein Schäfchen im Trockenen hat,
sich seitwärts schlägt.
Mutter:
Ja stimmt, wir hatten es damals satt.
Vorm Fleischer stand ich mir die Füße platt.
Und überhaupt: Weil es nichts gab,
auch jeder alles gehamstert hat.
Großmutter:
Ein jeder kaufte.
Nicht weil er´s grad brauche,
sondern wenn es was gab.
Das machte die Leute zusätzlich verrückt.
Dabei haben wir alle
noch genäht und gestrickt.
Und eingekocht hab ich
auf Teufel komm raus.
Großvater:
Den Sozialismus hält eben keiner lang aus.
Sohn:
Und Opa hatte, das war allbekannt.
in seiner Garage einen zweiten Trabant.
und zwar als Ersatzteile angehäuft,
falls die alte Karre mal nicht mehr läuft.
Großvater:
Was ist daran schlecht
und was gibt’s da zu lachen?
Mit eigenen Händen alles selber zu machen?
Die DDR hat uns eines gelehrt:
Eignes Denken und Handeln
ist Goldes wert.
Großmutter
Im Osten war fast alles ziemlich schlecht.
Da gebe ich meinen Kindern Recht.
Nach der Wende die Rente – doppelt so hoch!
Und das noch in Westgeld! Du meine Güte.
Doch kurz drauf verzehnfachte sich –
auch wieder in Westgeld – unsere Miete.
Aber wir konnten jetzt reisen, reisen,
hochdeutsch trainieren und uns beweisen,
dass wir noch irgendwie Deutsche wären,
und befugt nun, zur ´richtigen Welt´ zu gehören –
zur westlichen Welt, die allen gefällt.
Endlich hatten wir sie, die Demokratie.
Mutter:
Endlich hatten wir sie, die Demokratie!
Dafür waren wir auf die Straße gegangen.
“Wir sind ein Volk!“ – das war unser Verlangen.
Wie berauscht, voller Mut –
jetzt wird alles gut.
Großvater:
Wie besoffen waren die Leute vor Glück.
Doch blickt man mit etwas Abstand zurück,
so hat man uns damals ungelogen
paar mit dem Knüppel drübergezogen.
Denn Genscher und Kohl, du meine Güte,
verzichteten auf Deutschlands Ostgebiete,
die der Russe uns servierte
auf dem Silbertablett.
Weil man damit einen Schlussstrich
untern Krieg gezogen hätt´.
Und wie gemein!
Das durfte nicht sein.
Deutschlands Verräter waren immer vorn dran.
Fein-bürgerlich-bieder, man sah´s keinem an.
Innerlich waren es Ungeheuer,
ohne Gewissen, vom Geld gesteuert.
Äußerlich hui und innerlich pfui!
Äußerlich schien´s pure Freiheit nur,
doch innerlich war´s eine Zwangsdiktatur.
Vater:
Die DDR war nicht alleine pleite,
die Pleite betraf auch die andere Seite.
So dachten die ´Brüder´, – ich nenn sie Meibrit,
wir nehmen die Ossis auch noch mit.
So haben sich die Brüder, ganz ungeniert,
mit der Nutzung der Ossis selber saniert.
Tochter:
Wer sind die Brüder? Davon hört´ ich noch nie.
Mutter:
Nur ein jüdischer Club. Drum vergesse sie.
Lasse dich keinesfalls darauf ein,
irgendwie antisemitisch zu sein.
Man sagt, dass der Club uns heimlich regiert
und bei allen Verträgen die Feder führt.
Die Juden bringt man mit Meibrit in Verbindung,
aber das ist eine böse Erfindung.
In Wahrheit ist´s die Regierung, die zählt,
und die ist schließlich von uns gewählt.
Sohn:
Mutti, lass uns mit solch Sprüchen in Ruh,
was du uns erzählst, glaubst auch nur du.
Tochter:
Selber denken ist eh verboten,
da kassierst du nur schlechte Noten.
Doch sonst referieren wir sehr genau
die Breaking News offe Tagesshow.
Das ist das Coole an unserer Schule.
Großvater:
Hast du dir jetzt die Zunge gebrochen?
In meinem Hause wird deutsch gesprochen!
Englisch als Amtssprache. Kaum zu fassen:
Seine Muttersprache entwerten lassen!
Großmutter:
Das hat uns alles der Westen gebracht.
Deutschland gut Nacht.
Sohn:
Die englische Sprache klingt einfach besser,
sie hat diesen ganz speziellen Sound.
Großmutter:
Ich bin diesen Sound aber nicht gewaunt.
Vater:
Doch die Wende war gut, ganz außer Frage.
Was kam da auf einmal alle zutage?
Zuerst warn alle noch voller Zorn:
Die Bonzen haben jetzt endlich verloren.
Jetzt standen sie mit dem Rücken zur Wand,
doch die größten Verbrechen verliefen im Sand.
Ökonomisch wurden die Kleinen gehenkt,
Milliarden wurden ins Westgrab versenkt
und bewährte Genossen reichlich beschenkt.
Gekapert mit neuen Posten zumeist,
um die Ossis aus ihren alten Revieren
in den neuen goldenen Käfig zu führen.
Und die Stasileute, die so vieles verbrochen,
sind bei den Geheimdiensten untergekrochen.
Mutter:
Erst dachten wir alle, jetzt wären wir frei.
Plötzlich gab´s auch im Westen die Einheitspartei.
Die Sache wird bloß nicht so deutlich benannt,
aber uns Ossis ist das bekannt. .
Es ist immerzu nur die gleiche Masche.
Ob rechte Tasche, ob linke Tasche.
Ein Bürger steckt seinen Wählerschein
samt seinem Willen zur Urne hinein.
Dein Wille ist damit symbolisch verbrannt
wie auch der von Millionen Wählern im Land.
Großvater:
Unser Volk verdammt sich so jederzeit
stets aufs Neue zur eigenen Sprachlosigkeit.
Es erlaubt dem Staat, ihm die Taschen zu leeren
und all seine Werte umzukehren.
Sie lachen dich aus, voller Spott und Hohn.
Also wählst du noch oder denkst du schon?
Tochter:
Ich freu mich schon auf meine erste Wahl.
Ich gehe wählen auf jeden Fall.
Bin durch die Schule gut informiert
und weiß wohin falsches Wählen führt.
Wenn wir Jungen die Wahlen verweigern möchten,
gewännen womöglich noch einmal die Rechten.
Das darf auf gar keinen Fall geschehen,
die Nazis dürfen nie auferstehen.
Wahlalter ab 14 – das wäre schön!
Warum dürfen wir Kinder nicht wählen gehen?
Jedes Kind würde, und darauf könnt ihr zählen,
nur Gutes für alle Menschen wählen.
Großmutter:
Mädchen, dir fehlt´s noch an eigner Erfahrung,
das Leben ist eben kein Ponyhof.
Bevor man viel Gutes verteilen kann,
muss man´s erst erschaffen. Und das ist doof.
Du würdest die Roten und Grünen wählen,
weil die dir schön was vom Pferd erzählen.
Von Gleichheit, Liebe und Toleranz.
Leider, mein Mädel, stimmt das nicht ganz.
Das ist alles Berechnung, alles Kalkül.
Ihr wisst so wenig und lernt doch so viel.
Eure Lehrpläne sind nicht für euch gemacht,
nur als Mittel zu eurer Versklavung gedacht.
Tochter:
Omi hör´ auf, das ist doch kein Spaß.
Mutti, Vati – sagt ihr mal was.
Mutter:
Nein, über so etwas rede ich nicht,
hast mich auf dem falschen Fuß erwischt.
Ich bin deine Mutter und mache dir Mut,
fleißig zu sein, gehorsam und gut.
Nichts soll der Karriere im Wege stehen,
denn schließlich soll dir´s mal besser gehen.
Besser als mir an so manchen Tagen,
mit Sorgen und Nöten, Schmerzen und Plagen.
Das schaffst du nicht ohne bisschen Dressur,
voller Stolz darfst du laufen – in deiner Spur.
Vater:
Nein, in deren Spur! Du weißt, was da heißt?
Dass man sie immer in Schranken verweist.
Für ein junges Leben ein hoher Preis:
Gehorche – oder man macht dich zur Schnecke.
Gehör zur Gesellschaft – oder verrecke.
Wobei die Gesellschaft, wie ihr alle wisst,
nur ein Trupp wirbelloser Idioten ist.
Großvater:
Wir werden nicht mehr ´deutsches Volk´ genannt
und deutsche Werte sind kaum noch bekannt.
Der Staat spricht doch längst von ´Bevölkerung´,
rassendurchmischt, verkommen und dumm.
Hochmodern und weit fortgeschritten,
doch abseits von Ehre und guten Sitten.
So viele Verbrechen! – meist ungesühnt,
das hat mein deutsches Volk nicht verdient.
Großmutter:
Das hätt´s unter Hitlern nicht gegeben.
Mutter:
Unter Honeckern auch nicht, aber so ist das Leben.
Was man hat, das schätzt man nicht,
solang, bis der Laden zusammenbricht.
Kaum sind wir die alten Herrschaften los,
stehen neue bereit – zehnmal so groß.
Und der Niedergang Deutschlands ist beispiellos.
Vater:
Im Grunde sitzen wir ratlos herum
und fragen uns alle: Wie soll das enden?
Der Staat verramscht unser letztes Vermögen,
aber wer soll das wenden?
Sohn:
Ihr seid inzwischen zu alt geworden,
den Spuk auf deutsche Art wegzufegen.
Da müssen eben wir Jungen ran,
sich für Deutschland ins Zeug zu legen.
Mein Meister sagt auch, so geht es nicht weiter.
Ende Gelände.
Na das wird heiter.
Mutter:
Was meinst du denn mit der deutschen Art?
Treibst du dich mit diesen Spinnern rum?
Aus der rechten Szene? Das wäre dumm.
Sohn:
Ich will alles verstehen, so gut ich kann
und da fang ich eben bei Hitler an.
Weil – ihr habt es mir immer verboten,
mich mit dem Dritten Reich zu befassen.
Ich sollte auch nie auf die Juden schimpfen
und Verständnis haben für andere Rassen.
Wenn Hakim mir eins auf den Schädel drosch,
so lachtet ihr bloß:
„Sei nicht so zimperlich und verklemmt.
Der hat halt ein anderes Temperament.“
Jetzt in der Berufsschule ist es zwar besser,
da fuchtelt keiner mehr mit ´nem Messer,
Beruf lernen finden die nicht so schön,
die gehen lieber in ihre Moscheen.
Aber ich bin auch von Deutschen enttäuscht,
einige sind richtig geldverseucht.
Tochter:
Für Geld würd´ ich niemals was Böses tun!
Das kannste glauben, da bin ich immun.
Sohn:
Mir ist da alles auch völlig egal.
Ich mach meine Lehre,
dann könnt ihr mich mal.
Eure Politik interessiert mich nicht.
Bloß euer Gebarme ist fürchterlich:
Tu dieses nicht und lass jenes sein.
Aber lasse dich bloß nicht mit Nazis ein.
.
Mich jucken auch nicht die anderen Rassen,
die habt ihr doch erst hereingelassen.
Begrüßt habt ihr sie: Ach die armen Leute!
Nun guckt mal heute!
Ihr werden schon sehen, was die uns bringen.
Ich beschäftige mich mit meinen Dingen.
Ich will einfach nur meine Ruhe haben
Mutter:
Und dich in deinen Büchern vergraben.
Eine Drohne hast du dir ja schon gebaut.
Alle Achtung, hätt´ ich dir nicht zugetraut.
Aus dir kann was werden.
Du hast Talent – und du weißt, was ich meine.
Bist du damit in deiner Klasse alleine?
Sohn:
Naja so ziemlich. Aber was soll´s.
Mit denen halt ich sowieso nicht mit.
Die lassen´s krachen auf Schritt und Tritt
Vater:
Und wo haben die soviel Kohle her?
Sohn: lacht
Ich sage nichts mehr.
Das musst du sie schon mal selber fragen.
Die schwänzen die Schule an etlichen Tagen
Mutter:
Und sonst?
Lass´ dir´s doch nicht aus der Nase ziehen.
Sohn: druckst rum
Die sind bei der Antifa. Oder den Grünen.
Ein paar verdienen da richtig viel Geld.
Großmutter: kichert
Und retten die Welt.
Die werden bestimmt mal eure Rente verdienen.
Großvater:
Ich weiß nicht, was daraus werden mag?
Mutter
Es bricht alles zusammen auf einen Schlag.
Vater:
Wir sind umzingelt
Mutter
von Realität
Tochter
Wo nichts mehr geht.
Sohn:
Ich rufe mal den rechten Onkel an
und frage ihn, ob er mal herkommen kann.
Ich hoffe ernstlich, ihr habt nichts dagegen.
Mutter:
Den rechten Onkel? Wer soll da sein?
Pass auf. Hier kommt mir kein Nazi rein.
Und kommt so ´ne Dumpfbacke mir entgegen,
werd´ ich ihn persönlich zum Abflug bewegen.
Zur Not mit Klopfer und Besenstiel.
Von solchen Typen halt ich nicht viel.
Vater:
Ein rechter Onkel? Und der soll es wissen?
Wir werden von allen Seiten beschissen!
Mein Sohn, du zaubert was dem Hut,
was es doch nimmer-nicht geben tut?
In dieser Welt voller Lug und Betrug,
von oberschlau bis superklug?
Sohn geht raus
Großmutter:
Nun lasst doch mal gut sein
und kommt wieder runter.
.Der meint doch den Hannes
und Hannes, der kann es.
Er ist bei euch das schwarze Schaf,
weil er anders war und nicht sehr brav.
Er hat sich halt nirgendwo angepasst
und nie bei uns richtig Fuß gefasst.
Mutter:
Wir konnten auch nie seine Meinung teilen,
seine Hitlerverehrung war deutlich zu spüren.
Wer mit so Einem näheren Umgang pflegt,
der kann beruflich alles verlieren
Wir haben darüber nie reden gewollt,
so hat er gewöhnlich sich schnell getrollt.
Vater:
Er provozierte uns stets mit eigener Meinung,
die unserer vollkommen widersprach.
Dabei waren wir stets auf sicherer Seite:
Wir dachten so klar, wie das Fernsehen sprach.
Wie hätten wir auch jemals ahnen können,
dass im Fernsehen man nicht nur Wahres spricht?
Großvater:
Dabei sagen sie´s uns in „Bares für Rares“:
Bares hat immer das Übergewicht.
Mutter:
Wir wollten dem Fernsehen einfach vertrauen,
diesen sympathischen Männern und Frauen.
Auch in allen Blättern stand immer dasselbe:
Deutschland heißt bald: zwischen Rhein und Elbe,
aber niemals mehr: zwischen Maas und Memel.
Das fordern aber die Nazi-Dämel,
die Rechten, Reichsbürger, Revisionisten,
die sich erneut mit Großdeutschland brüsten.
Die haben öfters schon das gesagt,
was unsereins nicht zu denken wagt.
Als wüssten sie nichts von ewigen Schuld,
die Deutschland zu tragen hat mit Geduld.
So ist es ein Zeichen unsrer Vernunft,
dass Deutschland immer noch weiter schrumpft.
Doch find´ ich´s von Nachbarn bloß übertrieben,
ihre Landesgrenzen soweit zu verschieben,
bis Frankreich schließlich an Polen grenzt.
Mit dieser Idee haben sie auch schon geglänzt.
Deswegen muss ich kein Rechter sein,
unser Rechtsstaat richtet das richtig ein.
Und das Fernsehen, was mir zwar nicht behagt,
uns doch die traurige Wahrheit sagt,
dass alles eben bleibt wie es sei.
Und mit den Rechten wär´s bald vorbei.
Drum meine Kinder, gebt gut Acht,
dass ihr euch nicht zu Staatsfeinden macht.
Großmutter:
Dieses Einheitsgesülze hat dich erschlagen.
Fange endlich mal an, das zu hinterfragen.
Mutter:
Ich habe einfach keine Lust,
mit diesen Staat mich anzulegen.
Schon manchen kam am frühen Morgen
um sechs das KSK entgegen.
Mir reicht es auch, was hier abgeht
und wie man alles jetzt verdreht.
Zu diesem Staat fällt mir nichts mehr ein.
Aber rechts, rechts möcht´ ich trotzdem nicht sein.
Großmutter:
Drum habt ihr den Hannes auch nicht gelitten
in eurer Mitte und immer gestritten.
Stets ging der Hannes euch in die Falle.
Das war ganz einfach: Einer gegen alle.
Ihr empfandet, dass er zu deutlich sprach.
Zu deutsch, zu „deutsch“-lich, das machte euch kirre,
Ihr merktet, wie eure Welt zerbrach
Ihr gingt in Deckung: „Der Hans ist irre.“
Ihr wolltet die heile Welt behalten
mit einem Fuß da, mit dem andern dort.
Ihr wähltet euch Glanz und Gloria
und schicktet mit Hans eure Seelen fort.
Großvater:
Stets ließt ihr den rechten Onkel ziehen,
anstatt sich bisschen um ihn zu bemühen.
Aber ein wenig lache ich auch.
Jetzt steht ihr mächtig damit auf dem Schlauch.
Es klopft.
Großvater:
Komm rein. Tritt ein. Bring Glück herein.
Großmutter:
Lang nicht gesehen und doch erkannt.
Onkel Hans begrüßt alle
Und nun herrscht Chaos in dem Land.
Vater
Mein Sohn hat dich hierhergebeten,
weil er eins noch immer hat –
zu dir einen guten Draht.
Darum nimmt es uns nicht krumm,
dreh nicht gleich auf dem Fuße um,
wenn´s wieder losgeht mit dem Streiten.
Mutter:
Im Grunde könn´ wir dich gut leiden,
ärgern wollten wir dich nicht.
Bloß dein irres Deutsch-Getue
ging uns mächtig gegen´ Strich.
Onkel:
Ja, ich hab´ mich schnell verzogen,
bin auch immer früh gegangen,
wusste mit euch Programmierten
überhaupt nichts anzufangen.
Da war mir die Zeit zu schade,
anzuhören die Tiraden
aus Staatsräson und aus Gewäsch.
Wer nichts begreift, hat eben Pech.
Großvater
Gesessen hast du auch schon mal
wegen dieser Nazi-Szene.
Verzeih mir, dass ich das erwähne.
Ich hab´s zufällig entdeckt.
Hat dich das nicht abgeschreckt,
dich noch damit zu befassen?
Lieber alles laufen lassen?
Onkel:
Das sagst ausgerechnet du?
Du, der mit dem deutschen Heere
kämpfte auf dem Feld der Ehre?
Tochter: (flüsternd abgewandt)
Der Onkel ist mir gar nicht recht.
Bei solchen Sprüchen wird mir schlecht.
Großvater
Wir Soldaten hatten alle
nach dem Krieg die Schnauze voll.
Als Verlierer heimzukehren
aus Sibirien, war nicht toll.
Tochter:
Onkel, was meinst du mit Ehre?
Warum soll die wichtig sein?
Schließlich zog die Hitlerbande
alle in den Krieg hinein.
Onkel:
Ich plane nicht, mich in der Runde
als allwissend zu präsentieren.
Mit ellenlangen Diskussionen
wollt ihr mich doch auf´s Glatteis führen.
Nicht, dass ich mich ´vor scheuen würde,
ich nähme selbst die höchste Hürde
mit heiterer Gelassenheit.
Doch dazu ist noch nicht die Zeit.
Ihr würdet alles, was ich sage,
im nächsten Augenblick zerpflücken
und es ins Gegenteil verdrehen
und mich, wie immer schon geschehen,
in meine rechte Ecke schicken.
Vater:
Wir möchten viel von dir erfahren,
wie es so steht in dieser Welt.
Wir fürchten, dass in nächster Zeit
die Bude auf den Kopf uns fällt.
Mutter:
Denk doch an unsere armen Kinder,
die erst das Leben vor sich haben.
So, wie es jetzt um Deutschland steht,
da könn´ die sich gleich selbst begraben.
Ach, Stunden könnte ich dir erzählen,
was alles hier zum Himmel stinkt!
Im bunt vermischten Germany,
da gehen wir unter – unbedingt.
Großmutter:
Uns Deutschen geht es an den Kragen,
das steht von vornherein schon fest
Bald müssen Mädchen Schleier tragen,
sofern man sie am Leben lässt.
Großvater:
Die weißen Frauen Prostituierte,
die deutschen Männer werden Sklaven.
Onkel: winkt ab
Der dumme Deutsche hat die Neigung,
für alles selber sich zu strafen.
Anstatt mal auf den Tisch zu hauen
und wieder Ordnung hier zu schaffen.
Mutter:
Ich möchte, doch man muss auch können …
Onkel:
Dann tu´s doch, statt herum zu flennen!
Mutter:
Ich habe alles Mögliche
an Widerstand schon ausprobiert.
Spaziergänge, Demos und Links geteilt,
doch all dies hat nicht funktioniert.
Onkel:
Jetzt !!! bist du an den Punkt, wo´s funkt.
Die pure Ausweglosigkeit.
Mutter:
Ich lief am liebsten sonst wohin!
Weg aus dem Land und aus der Zeit.
Vater:
Und nun?
Sag endlich uns, was sollen wir tun?
Onkel:
Mache deinen Fernseher aus!
Sei mit dir allein.
Gehe tief nun in dein Herz.
Dein Herzenslicht schalt ein.
Such es in der fünften Kammer
und du wirst es finden,
wirst im selben Augenblick
dich mit ihm verbinden.
Denn im selben Augenblick
steht dein Herz in Flammen
und die tote Lügenwelt
in dir stürzt zusammen.
Sohn
Solche Reden, Onkel Hans,
muss ich von dir hören?
Tochter:
Bin ich hier im falschen Film?
Dann will ich nicht stören.
Vater:
Wusst´ nicht, dass die Nazis jetzt
solch Ideen pflegen
.
Mutter
Ach wenn´s hilft? Warum denn nicht?
Hätt ich nichts dagegen.
Onkel
Na, schon genug von dem Abenteuer?
Ich meinte natürlich ein geistiges Feuer.
Großvater
Das ist mir schon klar, wie´s bei Hitlern einst war.
Wir sind nicht mehr die, die wir damals waren.
Wir brannten vor Eifer, wir trotzten Gefahren,
wir schufen, was keiner für möglich hielt,
und haben uns siegreich und göttlich gefühlt.
„Gott mit uns“ stand auf dem Koppelschloss.
Mit der Uniform waren wir dann alles los.
Großmutter:
Das war Hitlers esoterischer Wahn,
den ihm das Volk auch übel nahm.
Das war Hitlers offenen Flanke,
auch nur zu spielen mit dem Gedanke,
irgendwie übermenschlich zu sein.
Auf diesen esoterischen Quatsch
fielen sie nicht rein.
Danach hat man uns Deutschen
das Fürchten gelehrt.
Nichts waren wir wert.
Onkel:
Hitler hat uns Wahrheit begreiflich gemacht.
Die Wahrheit, die niemand wirklich verstand.
Er war der Mann, der Himmel und Erde
durch sein Erscheinen wieder verband.
Nur sehr wenige Menschen waren eingeweiht,
nur die Tapfersten wussten darüber Bescheid,
wie er verliefe, der göttlichem Plan,
dass die Erde dem Himmel sich annähern kann.
Mutter:
Das wird mir langsam zu religiös.
Das ist nicht mein Ding, und sei nicht bös,
aber ich kann darüber nicht lachen.
Versuchst du, aus Nazis Götter zu machen?
Onkel:
Und wenn sie es wären?
Was wäre dann?
Mutter:
Als ob jemals ein Mensch
zu Gott werden kann!
Jesus, na gut.
Vielleicht gelang´s einem.
Doch sonst weiß ich von keinem.
Onkel:
Die Deutschen, sie schlafen in tiefer Ruh
und schauen sich beim Untergang selber zu.
Sie hätten den Turbo, sie könnten es schaffen,
doch sie stehen und sie starren,
baff wie die Affen,
auf Putin oder Amerika.
„Wann geht es denn los?
Ist der Retter schon da?“
Sie haben den Turbo, aber stellen ihn nicht an.
Keiner weiß, wie er ihn anwerfen kann.
Und erzähl ich euch was von inneren Licht,
so glaubt ihr mir nicht.
Tochter:
Onkel Hannes, du hältst uns zum Narren.
Mir ist das alles sehr unangenehm
Ihr quatscht über Zeug,
das kann ich nicht verstehen.
Das ist doch alles gar nicht real.
Wie wir hier rauskommen, scheint dir egal.
Großvater:
Mir ist das auch überhaupt nicht geheuer,
mein christlicher Glaube ist lieb mir und teuer.
Was du sagst, Hans,
grenzt wirklich an Blasphemie.
Deutsche Nazis im Größenwahn,
da haben wir sie.
Sohn:
Würde ich so reden, hieß es auf jeden Fall
Junge, Junge, du hast einen Knall!
Onkel:
Früher habt ihr´s schon deutlicher ausgedrückt:
Der Hannes, der Hannes, der ist verrückt.
Vater:
Wir wissen mit rechtem Gedankengut
eben gar nichts mehr anzufangen.
Die Zeit ist vorbei und kein Mensch will zurück
in diese alten Zeiten gelangen.
Mutter:
Vielleicht noch im Dirndl oder altdeutscher Tracht.
Da hätt´ ich mich gleich zum Affen gemacht.
Jetzt tragen wir Jeans und das ist schön.
Die gehören zu uns wie ´ne zweite Haut.
Die Zeit ist doch nicht zurückzudrehen.
Den möchte ich sehen, der sich das traut.
Onkel:
Damit sind wir wieder am alten Stand.
Ich rede wie immer gegen die Wand.
Vater:
Fang nicht wieder an mit dem Herzenslicht,
das ist absurd und wir glauben dir nicht.
Vor allem, du bist uns als Nazi bekannt
und spielst hier – was weiß ich –
eine Art Intendant. …
von irgendwas … einer Utopie.
Ins Nirvana entschweben, das wollten wir nie.
Sohn:
Vom Nazi zum Bazi!
Ja, ist das zu fassen?
Man kann sich nicht mal mehr
auf die Nazis verlassen?
Und die waren immer die sicherste Bank,
uns zu knebeln in Schuld und Zwang.
Sagst du was Falsches,
geht´s auf mit Geheule,
da kriegst du sofort die Nazikeule.
Mutter:
Es ist die Erfahrung, die daraus spricht.
Solch heiße Eisen berührt man nicht.
Mit solchem Mist machst du dich angreifbar.
Rechts sein ist wirklich ein Ärgernis.
Sohn:
Vor allem, Mama, ärgert es dich.
Du siehst unsern guten Ruf in Gefahr.
Du verschließt deine Augen, gehst auf Distanz.
und fürchtest, ich werde wie Onkel Hans.
Fortsetzung folgt.

